Stephan Remmler – Frauen sind böse!

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Lieber Herr Remmler,

erst einmal ein ganz herzliches “Willkommen zurück” zur deutschen Musik. Jaja, ich weiß natürlich, daß Sie nie ganz weg waren und jaja, ich weiß natürlich, daß Sie einfach mal eine Auszeit brauchten, in der Sie natürlich trotzdem sehr kreativ waren. Wenn auch nicht in Deutschland, sondern auf einer kanarischen Insel und in Basel. Diese Zusammenstellung finde ich z.B. schon mal sehr kreativ, ehrlich! Ich habe Sie auch wirklich vermisst. Nach soviel Pop- und Superstargedöns hat mir jemand gefehlt, der mit deutschen Texten einfach auch mal etwas wirklich ausdrücken kann, also die Bohlen aus dem Faß haut!

Als ich Sie neulich bei SAT 1 im Frühstücksfernsehen gesehen habe dachte ich so für mich “Wow, der hat es ja immer noch drauf, diese Konsumverarschung! Der geht doch nichts ins Frühstücksfernsehen, weil er keine anderen Sendungen bekommen hat, sondern weil er einfach ein Zeichen setzen möchte gegen die Verkaufsmaschinerie der Plattenfirmen und der daraus resultierenden Kollektivverblödung. Von dem gibt’s bestimmt auch keinen Klingelton!”

Mit Spannung habe ich das Interview verfolgt, in dem ich ganz viele neue Dinge über Sie erfahren konnte. Und über Ihren mittlerweile 17jährigen Sohn Cecil, der ja vor etlichen Jährchen ebenfalls im Frühstücksfernsehen sehr erfolgreich aufgetreten ist. Ich glaube, seitdem sitzt er aber lieber hinter den Kulissen?

Dann endlich habe ich Ihr neues Lied gehört und ich muss sagen – das hat mich wirklich total umgehauen!

Ich zitiere mal willkürlich, ja?

Wenn einer die Frauen
liebt, dann ich,
aber trotzdem, man muss doch
mal drüber reden.

Mein Freund sagt zwar immer, dass da sowieso jedes Wort zuviel ist, aber der hat auch nicht so eine große Nase wie Sie, der hat also keine Ahnung!

Ja, ja, Frauen sind böse,
ja, ja, woll’n immer mehr.
Ja, ja, wollen nach vorne,
ja, ja, nie hinterher.

Naja, auch Sie werden bemerkt haben, daß die Zeiten vorbei sind, wo die Männer mit dem Schießgewehr vor den Frauen hergelaufen sind um das Lumpenpack davon abzuhalten, den Sack Reis zu klauen. Den gibt es nämlich mittlerweile in handlichen Kochbeuteln. Die können sogar Männer tragen!.

Ja, Ja, Frauen sind böse,
ja, ja, wollen zerstör’n.
Ja, ja, wollen viel reden,
ja, ja, können nicht hör’n.

Verwechseln wir da nicht eine Kleinigkeit, Herr Remmler?

Ja war diese klasse Frau gestern Nacht,
die hat 45 Minuten an meine Tür gehämmert,
aber ich hab‘ sie nicht raus gelassen.

Eine feine Idee, ein”Wo habe ich das geklaut?”-Rätsel einzubauen! Ich tippe mal ganz spontan auf Otto. Aber genau weiß ich das nicht, als ich diesen Kalauer zum ersten Mal gehört habe war ich, glaube ich, in der 4. Klasse und habe heimlich mit meinen Geschwistern durch die Wohnzimmertür gelauscht, weil Otto damals immer erst um 21 h seine Show in der ARD begonnen hat.

Was habe ich jetzt gewonnen, Herr Remmler?

Frauen sind Spinner,
sie kaufen viel ein,
sie machen sich wichtig
und sie reden uns rein.

Egal ob brav, ob diabolisch,
evangelisch, ob katholisch,
sie drücken uns nach unten,
ganz in echt und auch symbolisch.

Meine Güte, Herr Remmler, hat Barbarella Ihr Flehen nicht erhört? Kleiner Tipp: die wenigsten Frauen stehen auf Weinstephans. Nicht einmal pastorisiert funktioniert das! Eine etwas positivere Einstellung, ehrlich gemeint oder auch nicht, schadet im übrigen auch nicht, wenn man mit einer Frau die Hände aneinanderreiben möchte.

Nerven uns ab
und labern uns voll,
und sie finden sich noch toll dabei,
sie finden sich toll.

Was ist denn gegen ein bisschen Selbstbewusstsein und Kommunikationsbedürfnis einzuwenden? Sie sollten sich mal das Elaborat von Mario Barth “Deutsch-Frau-Frau-Deutsch” einverleiben. Allerdings drängt sich mir der Verdacht auf, daß Sie das wahrscheinlich bereits getan haben.

Oh, oh, jetzt kommen die Mädels.
So cool, super und chillig,
auf jeden Fall nicht billig,
gut und teuer, es kostet sein Geld,

Naja Herr Remmler. Mann wird halt nicht jünger. Sie auch nicht. Dann lassen Sie doch einfach die Finger von den Groupies in den mittleren Dreissigern. Die sind doch viel zu jung für Sie!

wir sind die bessere Hälfte der Welt,
wir sind die bessere Hälfte der Welt.

Da gratuliere ich Ihnen aber ganz herzlich, Herr Remmler! Man darf ja schliesslich noch träumen, da haben Sie ganz recht! Aber gucken Sie doch bitte nicht so trotzig, wenn Sie das vor sich hinleiern. Das sieht nicht hübsch aus und dann jammern Sie wieder, wenn eine Frau böse zu Ihnen ist!

Hallo? Oh hallo ja, Was? Was nein.
Oh mit dir hat das überhaupt nichts zu tun Schatz.
Nein, kannst mir glauben. Bestimmt nicht.
Würd ich doch niemals machen. Ja, tschau.

Das hätte ich an Ihrer Stelle jetzt auch gesagt.

Zusammengefasst ist das ein ganz hübscher Gassenhauer und wenn Gottlieb Wendehals sich den ebenfalls schnappt (wie die zweiendige Wurst seinerzeit, der böse Mann!), dann hat Mallorca wieder einen Running Hit, Sie Ihre Tantiemen und vielleicht fällt für Jürgen Drews diesmal ja auch ein bisschen was ab!

Ich werde jetzt erst einmal auf den Dachboden gehen, mir die Vinyls von Trio und Ihnen heraussuchen und meinen Plattenspieler wieder anschliessen. Dann ziehe ich mir den Achtzigerjahreremmler rein, fühle mich jung und flippig und alles ist gut.

Also, nichts für ungut, Herr Remmler – immer noch herzlich willkommen und viel Erfolg!

Lieben Gruß von einer unbösen Frau

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