Sommerphänomene # 1

Die Fenster-DJ’s

Kaum ist es warm im Stübchen, werden auch die Fenster weit geöffnet. Dagegen ist nichts zu sagen, das machen wir alle so. Allerdings werden damit auch Glas und Rahmen für spektakuläre Einblicke in die Privatsphäre der Fensterbesitzer gewährt. Ich spreche jetzt hier nicht von Nackedeifitness oder Duschvorhangvergessen, ich meine den gemeinen Audioexhibitionismus. Den finde ich nämlich viel schlimmer!

Einer meiner Nachbarn von schräg links oder rechts gegenüber, aus dem ersten, zweiten oder fünften Stock liebt zu fortschreitender Stunde Ramazotti. Leider nicht das Getränk (vielleicht auch das, aber das kann man nicht hören) sondern den Eros. Den liebt er laut und leidenschaftlich, wobei das „laut“ eindeutig überwiegt. Er mag auch nur ein ganz bestimmtes Lied, das dafür umso öfter. In der Endlosschleife quasi.

Der Nachbar unter mir war schon immer ein Technofreak. Dem ist nicht beizukommen. Ich habe mein Schlafzimmer schon dreimal verlegt, weil mich das Gebumper durch den Boden einfach immens gestört hat. Das Umräumen stört mich weniger, das mache ich sowieso gerne. Im Sommer, allerdings, kommt das Gewummer nicht mehr nur durch den Boden, nein, dann macht er die Vorder- und seine Hintertür zum Garten auf, stellt die Anlage wohl mittig in seinen Flur und dreht auf. Das hat für ihn natürlich Vorteile: er kann seine Lieblingsmusik hören wenn er den Müll rausbringt, oder wenn er in seinem Garten sitzt. Ich leider auch.

Dann hätten wir da noch das neu zugezogene Ehepaar mit den statistischen 2 Kleinkindern, am Ende der Strasse (am Ende der Straße!). Die Kinder werden regelmässig auf die Straße geschickt, wegen der frischen Luft und damit sie im Vorgarten schön spielen oder das Pflaster mit Straßenmalkreiden verschönern können. Auch dagegen ist nichts einzuwenden. Störend ist auch nicht, dass das Kinderzimmerfenster offen bleibt. Sehr störend ist allerdings die Tatsache, dass aus einem Plastikbuntrecorder eine bestimmte Benjamin Blümchen-Kassette in voller Lautstärke in die Straße quakt. Immer und immer wieder. Die Kinder freut’s, die singen einfach genauso laut mit. Von den Eltern sieht und hört man nichts, die sitzen wahrscheinlich zwei Zimmer weiter im Schlafzimmerschrank und haben endlich mal Zeit, sich zu erwachsen zu unterhalten.

Komisch, wenn ich in einer Disco oder in einem Club bin, freue ich mich immer auf das nächste Stück des DJ’s. Bei den Fensterbrettlern freue ich mich allerdings kein Stück. Ob es daran liegt, dass ich sowieso weiß, was als nächstes gespielt wird? Und ganz blöde ist es, dass ich keinen Musikwunsch äussern darf. Egal, wie scharf ich mich angezogen habe und egal, wie lieb ich lächle, wenn ich den Musikwunschzettel (”Silencio” von der Berliner Indie-Combo “Lautlos” ist momentan mein Lieblingssong) über das Fensterbrett in das entsprechende Zimmer schiebe. Nade, niente, nichts wird hier erfüllt.

Persönlich halte ich es natürlich dezent, wie es eben so meine Art ist. Meine Fenster sind zwar alle geöffnet, aber mein Fernseher, meine Stereoanlage, mein PC, der Ghettoblaster in der Küche, der im Bad und die Sprottenanlage im Kinderzimmer sind auf Zimmerlautstärke gestellt. Ich weiss ja schliesslich, was sich gehört.

Die zwischenmenschliche Kommunikation wird dadurch allerdings etwas erschwert. „ICH KANN DICH NICHT VERSTEHEN ICH BIN IN DER KÜCHE“ – „ICH HABE JA AUCH NUR GEFRAGT WO ?§(§/%&=)§($/ IST!“ – „WAS HAST DU GESAGT?“ – „MANNO NIE HÖRST DU ()=§%$&% ZU!!!“ – „WAS IST LOS?“ – „WO IST ?§(§/%&=)§($/???“ – „HÄÄÄÄÄH?“ „W-O I-S-T ?-§-(-§-/-%-&-=-)-§-(-$-/-?-?-?“ – „W-I-E B-I-T-T-E-?-?-?-?“

Aber immerhin kann hier nicht von einer Endlosschleife die Rede sein, wir sind anständige Nachbarn! Das kann jeder hier in der Straße bezeugen!

6 Comments »

6 Responses to “Sommerphänomene # 1”

  1. on 24 Jul 2006 at 2:04 PM zoee

    Oder ein Grund, diese zu schliessen! :)

  2. on 25 Jul 2006 at 7:47 AM zoee

    und dieses geräusch ist sowieso ein grund für den sofortigen ausschluss des geräuschemachers. was sollen denn die nachbarn denken? ;)

  3. on 25 Jul 2006 at 7:59 PM Juleika

    Also bei dem Fernseher, der Stereoanlage, dem PC, dem Ghettoblaster in der Küche, dem im Bad und der Sprottenanlage im Kinderzimmer braucht ihr euch um Bens *röcheln* eh keine Sorgen machen, das hören die Nachbarn am wenigsten

    *lautlach*

  4. on 26 Jul 2006 at 7:53 AM zoee

    juleika: du hast keine ahnung wie ein ben röcheln kann, wenn er den müll herausträgt oder asphaltplatten auf den dachboden trägt. vor allem, wenn er ein gewisses alter erreicht hat. diese bens sind nicht mehr das, was sie mal waren. wahrscheinlich “made in fernost”. ich warte täglich auf die räumungsklage! ;)

  5. on 26 Jul 2006 at 9:04 AM Juleika

    Tip für die gewisse Dame:

    *Bewege* doch einfach von da nach da
    :D
    … und das röcheln hat ein Ende *g*

  6. on 26 Jul 2006 at 9:24 AM zoee

    pah. ich hole mal eine packung neuer schrauben für euch! :)

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