
Jawohl! Total verliebt! Endlich! Ich hätte nie gedacht, dass mir das noch einmal passieren würde nach der grossen Pleite vor drei Wochen. Aber ich will jetzt nicht zurückschauen, sondern mich auf die Zukunft freuen. Hach, ich könnte die ganze Welt umarmen, so glücklich bin ich!
Ich habe Ludwig über das Internet kennengelernt. Jaja, ich weiss, viele finden das komisch. Aber in der heutigen Zeit der Technik und so finde ich das ganz normal. Schließlich benutzen viele das Internet ja auch in der Arbeit. Und so habe ich den Ludwig auch kennengelernt: am vorvergangenen Montag morgen, als sein und mein Chef gerade nicht da waren. Ich habe sofor gespürt, daß zwischen uns etwas ganz Besonderes ist. Er kann so schön schreiben! Gut, er ist immer etwas sehr kurz angebunden, aber das verstehe ich schon. Schließlich ist er ja ein viel beschäftigter Mann und kann deshalb nicht immer online sein. Schade ist nur, daß er abends nie an den Computer gehen kann. Da ist er meistens bei Geschäftsessen oder bei Terminen. Aber er schickt mir immer eine ganz liebe SMS. Dass er an mich denkt und dass ich auch an ihn denken soll. Leider kann ich nicht zurückschreiben, weil ich seine Nummer nicht habe. Er meint, das wäre auch nicht nötig, schließlich würde er sich bei mir melden wann immer er Zeit hat und das SMS-Gepiepse wäre auch ganz schrecklich peinlich, wenn er mit seinen Geschäftspartnern zusammen ist. Deshalb hat er auch die Rufnummer unterdrückt.
Hach, ich bin immer noch so glücklich! Immer wenn ich an Ludwig denke, dann habe ich Schmetterlinge im Bauch und mein Magen fährt Achterbahn! Meine Kollegen haben schon gesagt, daß ich so eine glückliche Ausstrahlung habe und ob ich verliebt bin. Da musste ich kichern wie ein kleines Mädchen!
Gestern war es endlich soweit: Ludwig hat mich um ein Treffen gebeten! Ich hätte ihn ja schon viel früher gefragt, aber Männer sind halt nun mal Jäger und ich wusste ja, früher oder später fragt er mich schon, der Liebe! Natürlich habe ich mich total gefreut und jubelnd zugestimmt! Endlich werden wir uns sehen und uns tief in die Augen sehen und wissen, daß wir füreinander bestimmt sind und heiraten! Nicht so wie mit dem Deppen vor drei Wochen. Mit dem habe ich mich an einem Autobahnparkplatz getroffen. Nachts. Irgendwie muss sich halb Deutschland dort verabredet haben, denn überall standen Autos herum und alle Scheiben waren beschlagen. Ich konnte ihm auch nicht so richtig in die Augen sehen und merken, dass wir füreinander bestimmt sind, weil er so eine komische Ledermaske getragen hat. Er wollte auch sofort mit mir in sein Auto um festzustellen, ob wir zueinander passen. Aber nicht mit mir! Wenigstens ein Kaffeetrinken vorher muss drin sein! Ich bin doch nicht so eine! Nein, so eine bin ich nicht!
Der Ludwig hat geschrieben es wäre besser, wenn wir uns in seiner Stadt treffen könnten, weil er so viele Termine hat. Ich habe ihm gesagt, daß ich mir eine Woche Urlaub nehmen kann. Da war Ludwig plötzlich ganz einsilbig vor Traurigkeit, weil er nämlich genau nur an diesem Abend Zeit hat und keine ganze Woche. Die Geschäfte eben. Und leider können wir uns auch nicht in seiner Wohnung treffen, weil er gerade die Maler da hat. Blöd, ich weiss. Aber Ludwig wusste ja auch nicht vorher, daß er mich lieben wird, deshalb bin ich auch gar nicht sauer. Wir haben ja noch alle Zeit der Welt. Er hat dann ein Hotel vorgeschlagen, dass auch ganz günstig am Bahnhof liegt und wie der Intercity heisst. Dieses Mal fahre ich nämlich mit dem Zug, weil mir 850 km doch ein bisschen zu weit sind. Und ich komme dann auch ausgeruht an und kann ihm dann schön zurechtgemacht in die Augen sehen und das mit der Bestimmung feststellen! Hach, ich freue mich ja so!
Und ich habe zwei ganz tolle Überraschungen für den Ludwig vorbereitet: ich habe mir eine neue Strumpfhose gekauft, in der ich ganz, ganz sexy aussehe (obwohl ich nicht so eine bin!) und ich habe das Hotel bereits im voraus bezahlt. Damit der Ludwig nicht denkt, ich wäre wirklich so eine! Nein, nein!
Das wird so romantisch! Ich fahre mittags los, bin dann abends bei Ludwig und nehme dann den letzten Zug wieder zurück. Ludwig braucht nämlich seinen Schlaf, weil er gleich am nächsten Morgen einen wichtigen Termin hat. Wie gesagt, ich bin nicht böse, ich verstehe das! Und wir haben ja wirklich noch unser Leben vor uns. Das sieht Ludwig genauso, er hat mir nämlich nicht widersprochen!
So und jetzt muss ich packen und vorher noch meinen Miet- und Arbeitsvertrag durchlesen. Wegen der Kündigungsfristen.
Ich wünsche allen, daß sie auch einmal so glücklich werden wie ich! Verliebt sein ist so schön!!!
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