
Melde gehorsamst: Freitag keine besonderen Vorkommnisse. Naja, bis auf die verschwundene Kontaktlinse, die nicht in ihrem Döschen war und die ich auch als getrocknete Plastikscherbe nicht finden konnte. Bis ich dann die noch verbliebende Linse wieder aus dem Auge popelte und in die Kontaktlinsenschale zurücklegte. Als ich dann die Lösung aufschraubte stellte ich fest, dass die vermisste Linse im Deckel überlebt hat. Keine Ahnung, wie das wieder passiert ist, aber es kann einfach in der Natur der Sache liegen: einäugig sieht man halt einfach genauso wenig wie zweiäugig ohne Sehhilfe. Ansonsten verlief der Tag ganz normal.
Heute ist also kinderfreier Samstag und ich hatte mir so einige Dinge vorgenommen, die ich gerne mache, wenn das Kind nicht da ist. Wie z.B. wenig bis gar nichts. Oder ganz furchtbar viel.
Plötzlich klingelt das Telefon. Frau Sprotte ist dran. Sie hat ihr Mathebuch vergessen und muss noch Hausaufgaben machen. Morgen geht es nicht, da sind wir beide eingeladen und sie kommt erst mittags nach Hause. Supermama schlägt vor, ihr die Hausaufgaben einfach am Telefon vorzulesen, Sprotte soll mitschreiben. Geht nicht, meint Fräulein Sprotte, weil sie das Bild dazu braucht. Käse, meint Supermama, das Bild kann man ja beschreiben. Geht nicht, meint Fräulein Sprotte, das wäre zu kompliziert. Klar, Mutter ist ja bekanntlich blöd! Aus dem Hintergrund meldet sich der Sprottenvater, ob ich denn keinen Scanner hätte. Klar habe ich einen. Aber in einem Anfall von Blödheit habe ich dem Sprottenvater irgendwann mal eine ganze Tüte mit Kabeln, Festplatten, Modems, Telefonverteilern etc. überreicht. Da waren auch die Kabel vom Scanner drin, den ich damals (vor ca. 3 Jahren) abgebaut habe, weil ich umgestellt habe. Seitdem habe ich regelmässig vergessen ihn daran zu erinnern, mir die Kabel doch mal bitte herauszusuchen. Der Scanner fristet seitdem sein kabelloses Dasein im Wandschrank. Da ich dem Sprottenvater die Schuld daran nun definitiv nicht geben konnte, habe ich die Frage einfach verneint.
Da ich aber immer noch der Meinung war, daß diese Zeichnung nicht schwierig sein kann und Photoshop oder Paint schon ausreichen werden, habe ich großmundig eine e-mail versprochen und mir die Seitennummer aus dem Mathebuch geben lassen. Tja, was soll ich sagen?
Jessica und Kay beziehen mit ihren Eltern eine neue Wohnung. Beide Kinder bekommen ein eigenes Zimmer. Ihre Mutter hat in den Grundriss der Zimer einige Maße eingetragen.
-Bild von Grundriss mit unglaublich vielen Maßen, wird nachgereicht-
Jetzt möchte Jessica Rollos an verschieden große Fenster anbringen, Regalbretter in verschiedenen Größen an Wände dübeln, die aber exakt passen müssen, einen Schrank von 1,65 m irgendwo hinstellen und ihr Bett mit 1,90 cm ebenfalls unterbringen.
Was macht eigentlich die faule Socke von Vater, während sich das arme Jessica-Kind den Kopf zerbricht????
Also werde ich mich jetzt straßentauglich machen, das Mathebuch unter den Arm klemmen und ins Internetcafé marschieren. Dort werde ich das Ding dann einscannen lassen und per e-mail nach Sprottenhausen schicken. Abholen können es Frau Sprotte plus Papa nämlich nicht, weil sie auf dem Weg ins Schwimmbad sind.
Und danach bin ich wahrscheinlich so fit, daß ich wieder anfange Dinge zu machen, die ich nicht tun sollte. Wie z.B. das Schlafzimmer mal wieder ausräumen, weil ich zwei Schränke austauschen möchte. Und, wie immer, werde ich garantiert damit nicht fertig und werde mich, wie immer, total darüber ärgern und als Ausgleich irgend etwas tun, das ich nicht tun sollte. Wie z.B. die Küche komplett umdekorieren. Und auch damit werde ich garantiert nicht fertig und die Wohnung wird aussehen, wie kurz nach einem Kindergeburtstag.
Das ziehe ich ihr alles vom Taschengeld ab!
Aber ich habe schon im Mathebuch weitergeblättert: die nächste Hausaufgabe wird die sein, warum der faule Vater auch den armen Kay alles alleine machen lässt. Das bekommt der Sprottenvater dann ebenfalls gleich per e-mail.
Manchmal sollte man sich für nichts zu blöd sein.
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