Internetliebe
Posted by zoee on 19 Mai 2007 | Tagged as: zoee
Gibt es die Ware Internetliebe? Ich sage: ja! Ich habe sie nämlich selbst erlebt!
1992 war das. Da traf ich Bert im IRC. Und ich war sofort von den Socken. Bert kam aus Leuven, einer Universitätsstadt in Belgien, studierte irgendetwas für mich total Unverständliches (Chemie oder Physik oder Biologie oder Mathematik oder Computer) und jettete ständig zu irgendwelchen Kongressen durch die Welt. Das fand ich attraktiv. Und was ich noch attraktiver fand war, daß Bert mich total faszinierend fand.
Wir chatteten jeden Abend, wir verabredeten uns per e-mail, wann wir uns im Internet treffen würden, er schickte mir bezaubernde Liebesbriefe mit der Post und war genau der Mann, den ich mir immer erträumt habe: geheimnisvoll, intelligent, romantisch! Er hatte sogar ein eigenes Profil auf der Universitäts-Internetseite. (Wir erinnern uns: 1992!). Da mein Compaq keine Grafikkarte hatte, besuchte ich meinen Ex unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, damit ich bei ihm auf dem Computer mal kurz die Seite angucken konnte. Und was soll ich sagen? Als ich das Profilbild sah wusste ich, daß das der Mann meines Lebens ist! Denn sein Profilbild war dieses: Das “Men at Work”-Baustellenzeichen!
Wie attraktiv und sexy muss ein Mann sein, der es nicht einmal nötig hat, ein Foto von sich auf eine Seite zu setzen? Ich war begeistert! Ich fragte ihn aber vorsichtshalber noch, wie er denn nun wirklich aussehen würde und er bestätigte: Nase ok, Zähne ok, gross, sportlich, schlank, leger-cool gekleidet.
Es wurde immer klarer: wir mussten uns treffen!
Ich wollte mir meine zukünftige Heimat genauer ansehen (ich ziehe einfach sehr gerne um) und so war bald klar: ich fahre nach Belgien! Für eine ganze Woche!
Meinen Ex informierte ich kurz über meine einwöchige Abwesenheit (er musste nämlich die Katze füttern); seltsamerweise lachte er laut, als ich ihm von meinen Plänen erzählte und hatte kein Problem damit, sich um Paula zu kümmern. Er ist nicht umsonst mein Ex.
Ich fuhr also an einem kalten Morgen von Hamburg Richtung Belgien. Die Fahrt war angenehm und sehr, sehr spannend. Bert hatte ja versprochen, mich vom Bahnhof abzuholen und mich nach dieser langen Fahrt in ein schönes Restaurant auszuführen. Schlafen würde ich natürlich bei ihm, denn er hätte Platz genug und mein Gott – wir wollten heiraten! Wer braucht da schon Platz zum Schlafen? Ich stellte mir unsere Begrüßung ununterbrochen vor: er hat eine rote Rose in der Hand, lächelt mich verwegen an, wir sehen uns in die Augen und wir wissen es! Wir wissen es! Es wird romantischer als Sissi, aufregender als James Bond und viel sexier als Eis am Stiel! Ich war mir nicht nur sicher, ich wusste es einfach! Und ich wusste, er wird es auch wissen!
Als der Zug in den Bahnhof Leuven einfuhr, bin ich vor Aufregung fast ohnmächtig geworden. Ich stieg aus dem Bummelzug aus und sah mich auf dem Bahnsteig um.
Bert war nicht da.
Der einzige Mann mit einer roten Rose stand neben dem Bierkiosk. Mit einem nicht akneschmeichelndem Parka auf mageren Schultern. Und einer Brille mit colabodenflaschendicken Brillengläsern. Und gelben Zähnen. Und strähnig-fettigem Haar (und so wenig davon) und einer echt seltsamen Hose.
Wir sahen uns an und wussten es! Jeder wusste zwar etwas anderes, aber immerhin – das hat schon mal funktoniert.
Der Rest ist kurz erzählt:
- Hotels waren ausgebucht.
- Es gab an diesem Abend keine Zugverbindung mehr zurück.
- Das schicke Restaurant war ein Inder, wo er mir -in Ermangelung meiner flämisch-indischen Sprachkenntnisse- ein Essen mit Rosinen bestellte. Schick ist mir egal, Rosinen nicht.
- “Platz ist in der kleinsten Hütte” war ein Zimmer im Studentenwohnheim wo das Dusch-Klo durch eine Faltwand vom Kleinzimmer getrennt war, in dessen Duschwanne ein abgebranntes Räucherstäbchen wohl wilde Gerüche vertreiben sollte. Das stand in einem schicken Blumentopf.
- Sein Bett war echt klein und es war mir plötzlich sehr wichtig, nicht dieses mit ihm zu teilen.
- Bert schlief auf dem Boden.
- Während ich mich in dem doch recht merkwürdig riechendem Bett nicht bewegte, damit er gar nicht auf die Idee kommen könnte, sich mit mir zu unterhalten, trank er eine ganze Flasche Tequila aus und hörte aus einem Transistorradio plärrende Amerikaner-Musik.
- Ich fuhr am nächsten Morgen sofort zurück nach Hamburg.
- Mein Ex hat sich einen Ast gelacht, als ich ihn von den Katzenpflichten so schnell entbinden konnte. Er ist nicht umsonst mein Ex.
Von Bert habe ich vor einiger Zeit wieder gehört. Er hat mittlerweile eine Ex-Kommilitonin geheiratet und zwei Kinder. Er lebt nach wie vor in Leuven und hat dort einen Job an der Uni. Bert jettet nicht mehr herum, sondern ist einfach ein ganz solider Familienvater mit Brille und Pullunder.
Und das hätte ich alles haben können, wenn ich nicht so eine anspruchsvolle Zicke gewesen wäre!
jede wette, bert ist ein musterpulli-man! ich kannte die geschichte zwar schon, hab aber fast gekackt vor lachen. zumal ich MEHR weiß!!!!!! MUHAAAAAA!!!!!! und dich hab ein web. 2.o – baby!!!!!
ich bin sicher, dass bert sehr glücklich ist. er hat ja alles, von dem er nicht einmal wusste, dass er es haben möchte!
)
ausser sex war da natürlich noch etwas mehr, aber das hätte den rahmen gesprengt und noch peinlicher wollte ich nicht werden!
Kann ich mithalten: anno ‘95 traf ich in einem Chat (damals war ich für IRC zu doof, und gerade kamen die ersten Webseiten-basierten Chats raus) eine Nadine*. Wir entdeckten schnell, dass wir Seelenverwandte waren. Unsere Schwärmerei lebten wir regelrecht aus, der Rest der Chatter verriet uns immer wann der Schatz das letzte Mal da war und mit welchen Worten wir uns da vermisst hatten… Gut gelaunt stieg ich in meinen klapprigen Golf und düste nach Jena.
Nun, ich klingelte an ihrer Wohnheim-Tür, und ungelogen: UNS BEIDEN fielen die Mundwinkel herunter. Irre! Sie hielt mich für einen bekloppten Proleten, und sie war eine nervtötende Zicke, so ne militante Öko-Tussi, die nur Tee trinkt und noch dazu eine Stimme, die Glas schneidet. OIDA, ABSTAND! Wir sprachen danach noch 10 Worte miteinander…
Aber ich habs auch schon anders erlebt, mit Michaela war ich ein Jahr zusammen, und wir umarmten uns exakt auf dem Bahnhof nach 10h Zugfahrt meinerseits.
* Name geändert: ich weiss ihn heute echt nicht mehr!
*pruuuust*
du bist nicht allein, ich hab das auch schon erlebt (wer nich!?)… keine ahnung, was DEIN “Mehr” war (und ich glaube, ich würds auch nich wissen wollen), aber in meiner geschichte ist der typ glatt noch zu mir gezogen und ich hatte mich schon damit abgefunden, den rest meines lebens unglücklich zu sein – so sehr wollte ich glücklich sein…
trotz festem vorsatz ist mir dasselbe ding dann doch nochmal passiert (diesmal lebte er auch in B). das is jzz über fünf jahre her und wir sind immernoch zusammen. blöde happy ends ;o)
viele grüsse & danke für den lachigen sonntag-morgen!
Hat Bert eigentlich immer noch ein Profil auf der Uni-Website? Muss das doch gleich mal recherchieren. Vielleicht gibt’s ja inzwischen ein Photo….
“Bert war nicht da.” Prust. Ich schrei mich weg. jaja, so ist nun mal: böser Vogel Phantasie. Ebenfalls danke für die schöne Sundaymorning-Story.
Werte Frau z.,
Sie sind genial! Ja – der Brüller des Tages und ich bin nach Bäcker-Azubi-Berichteschreiben-helfen wieder bester Laune!
Danke! (mit Knicks!)
ich hab schon gewartet auf die story! grooooßartig!
und tigger: in jena gibts auch nette frauen… echt!
Frau Zoee – jetzt mal ernst:
BERT! B!E!R!T!
Wie kann man nur, das war doch wohl klar… tses…
meine heisst rebecca und da ich sie nie getroffen habe liebe ich sie noch heute. herrlich
tja… meine heißt zoee… und ich habe sie auch noch nicht getroffen.
@pulle: aber ICH mein kleiner. und ich sage dir, das kommt noch was auf dich zu! ; )
jetzt hört mal auf so zu sprechen, als wenn ich eine rollende dampfwalze wäre, die den armen pulle bereits bei der begrüssung am bahnhof umtonnt!
frechheit!!!
pulle: ach ja – ich mag tulpen lieber als rosen!
pah! blumen? vergessen sies! ich werde mir genau EINE rose in den piephan stecken. MIT dornen! um ihnen zu zeigen, wie ernst ich es meine, mein sehr verehrtes tönnchen! huhuhuhahaha!
kann ich ob ihrer pornobrüste eigentlich mit beiden armen um sie rumfassen?
nein, ich habe keine tulpen. nur irgendwelche strünke und zwei knospen!
herr pulsiv: sie sollten nicht soviel radio hören. da kommen sie nur auf die dümmsten gedanken!
muahah, zoee ich hab mich weggeschmissen vor Lachen, allerdigns seit gestern bin ich auch verknallt (darf man das in meinem Alter -40 noch ?) jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
wir unterhalten uns in Englisch was mir leichter fällt, da kann ich die schmalzigsten Sachen schreiben ohne rot zu werden
being close to craziness – being close to you