Es hat nicht sollen sein
Posted by zoee on 23 Mai 2007 | Tagged as: Sprotte, zoee

Was habe ich mich auf heute morgen gefreut! Sprotte hat Schulausflug. Treffpunkt für die gesamte Klasse: 7.45 h an den Landungsbrücken. Also hat sich Sprotte (und umgekehrt) mit Freundin 1 und Freundin 2 für 7 h an der Bushaltestelle am Marktplatz verabredet. Das fand ich zwar gestern schon etwas seltsam, weil Freundin 2 extra aus Groß Borstel anreisen muss, aber -wie mir oft gesagt wird- ich habe ja sowieso keine Ahnung.
Ich hatte es mir richtig schön vorgestellt: aufstehen, Kind wecken, im Bademantel herumlaufen, nicht hetzen, Kaffee trinken, wenn das Kind dann um 6.45 h das Haus verlässt, in aller Ruhe duschen, noch einen Kaffee trinken und dann ganz ungestört anziehen, restaurieren und ins Büro fahren. Ohne Hetze, ohne hysterische Anfälle wie z.B. “Ich kann doch nicht blau und blau zusammen anziehen, wie sieht das denn aus?” oder “Wo ist die eine Haarspange, die vor fünf Jahren in der Wendy war, ich brauche die jetzt sofort!” und vor allem: ganz alleine!
Bis 6.55 h lief alles genau nach Plan. Dann klingelte das Telefon. Frau Sprotte: “Die anderen sind noch nicht da!” – “Ja, nun, es ist doch auch erst fünf vor!” – “Ja, aber Freundin 2 hatte ja gesagt, dass es besser ist, wenn wir uns um fünf vor treffen und es ist niemand da, nur ich!” – “Dann warte eben noch 5 Minuten. Die kommen schon!”
7.00 h: “Es ist immer noch keiner da und wenn wir nicht pünktlich an den Landungsbrücken sind, fährt das Schiff ohne uns und wir müssen zurück in die Schule!” – “Gut, ich rufe mal bei Freundin 1 und Freundin 2 an und dich dann zurück.”
Freundinmutter 1: “Wieso denn um 7 h? Mir hat Freundin 1 gerade gesagt, 7.15 h würde völlig reichen, wir sind noch nicht fertig!”
Freundinmutter 2: “Wieso denn am Marktplatz? Freundin 2 steht an der U-Bahn-Haltestelle und wartet auf die anderen beiden! Aber sie hat ihr Telefon nicht dabei, weil ja alles besprochen war.”
Ich rufe Frau Sprotte an und berichte. “Wieso denn U-Bahn und wieso denn 7.15 h?” Tja, das konnte ich ihr nun nicht beantworten, weil ich ja -wie mir oft gesagt wird- keine Ahnung habe.
Ich befehle Frau Sprotte, sich in Bewegung zu setzen und zu den Landungsbrücken zu fahren. Frau Sprotte findet es natürlich total unfair (wann hört diese unfair-Phase eigentlich auf?), daß sie jetzt alleine fahren muss, aber ich weise darauf hin, daß es noch wesentlich unfairer ist, zu spät zu kommen, zur Schule zurückfahren, sich im Büro zu melden, um dann in eine andere Klasse gehen zu müssen.
Mittlerweile ist es 7.20 h. Ich muss mich jetzt wirklich beeilen, wenn ich noch pünktlich sein muss. Ich stehe unter der Dusche, da klingelt das Telefon wieder, das ich vorausschauend mit ins Bad genommen habe. Frau Sprotte berichtet, daß sie in der U-Bahn zufällig Freundin 2 getroffen hat. Freundin 1 ist nach wie vor verschollen. Ob ich denn Freundinmutter 2 kurz anrufen könnte, damit sie sich keine Sorgen macht? Klar. Mache ich gerne. Unter der Dusche telefoniere ich am liebsten.
Freundinmutter 2 ist erleichtert und sehr redselig. Um 7.35 h kann ich das Telefonat beenden, ohne unhöflich zu sein.
7.40 h: Frau Sprotte meldet, daß sie jetzt auch die anderen Mitschüler und Lehrer gefunden haben und befiehlt mir, jetzt nicht mehr anzurufen, weil der Ausflug ja so wäre, als wenn sie in der Schule wäre und da darf man ja keine Telefone haben. Selbstverständlich werde ich nicht mehr anrufen. Wie käme ich dazu? Das wäre ja auch unfair!
Mit 20 Minuten Verspätung mache ich mich dann auch endlich auf den Weg. Von wegen ruhiger Morgen. Ich habe einfach -wie mir oft gesagt wird- keine Ahnung.
Guten Morgen, werte Frau z.!
Ich glaube, Du bist einfach doch etwas naiv in der Deiner Kindererziehung…
*schelmischggg*
Ich wünsche trotz zu spätem Arbeitsbeginn einen schönen Tag! So wie Du drauf bist, haste die paar Minuten gleich wieder reingearbeitet.
schadenfrohe kuh!
Wunderbar, sowas heitert uns schadenfrohen Männern auch den Morgen auf.
Klasse geschrieben, und ein extra Respekt für dieses phantastische Foto!
schadenfroher kerl!
wozu soll so ein kint denn sonst gut sein, wenn nicht zum graue-haare-machen?
klugscheisser!
Wunderbar, dieses Organisationsverhalten ist aber nicht altersbedingt. Der Opa unseres Moritz schafft es mühelos zum Transport eines Briefes zum Briefkasten eine Logostikkette mit zwei Fahrzeugen und mindestens vier Beteiligten Personen aufzubauen.
grundgütiger. das geht so weiter, bis ich oma bin? kann ich mich irgendwo abmelden?
scha-haaaatz…nicht ab, nein ANmelden. lass uns ins selbe seniorenheim ziehen….
haha, tja es kommt eben doch nicht immer so wie man es plant
@morti: Seniorenheim? Oder Ponyhof?
also ich finde es beeindruckend, noch genug Zeit für ein Selbstportrait…
du zeichnest ein grausames bild meiner zukunft…
ps. kinderbergwerk? die sprotte und die motte?
babyklappe, seniorenheim, ponyhof, kinderbergwerk, alles prima ideen – jetzt muss ich nur noch die reihenfolge festlegen!
oh gott, ich fühle so mit !!
ich habe hier auch so ein tolles organisationstalent…. das zu allem übel auch noch gern haustürschlüssel, monatskarten und handy vergisst oder verbummelt.
das kostet so ohne ende nervenfasern. ich will endlich auch ins heim !!
ich habe frau sprotte schon angedroht, dass ich bei ihr wohnen werde, wenn ich alt bin. ihr kommentar war furztrocken: “tust du doch eh schon!”
irgendwie habe ich das gefühl, ich hätte ihr niemals sprechen beibringen sollen! oder denken.
Die UNFAIR-Phase hört nie auf… NIEMALS!
(Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht)
danke sir parker. ich streiche sie von meiner adoptionsliste!