Archive for September, 2007

Ich bin pervers

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Der liebe Gott hat mich gesegnet und zwar mit zwei Menschen, die mir seit knapp 12 Jahren fast unabhängig voneinander das Leben süss-sauer machen, abwechselnd oder gleichzeitig und das in einer unglaublich ähnlichen Art und Weise. Beide erklären mir verbal oder nonverbal regelmässig, daß ich sowieso von nichts eine Ahnung habe. Ab und an mal -auch immer abwechselnd- hat einer von beiden einen lichten Moment und lässt mich wissen, dass ich so blöd ja nun auch nicht sein kann. Immerhin zahle ich das Taschengeld aus und hatte Wehen. Das machen keine blöden Menschen.

Ich freue mich jedes Mal, wenn einer der beiden Menschen sich abmeldet: Papawochenende, Kundenbesuche, Klassenreise, Urlaub. Damit komme ich klar, denn einer der beiden Menschen bleibt im normalen Fall ja in meinem Dunstkreis. Wenn der kleine Mensch weg ist, nutzen der große Mensch und ich die Gelegenheit ein paar Dinge zu klären, ist der grosse Mensch weg, haben der kleine Mensch und ich Zeit ohne Unterbrechung miteinander.

Was allerdings noch nie passiert ist: daß der kleine und der große Mensch gleichzeitig weg sind. Und das unabhängig voneinander. Die gemeinsamen Urlaube sind eine gemeinsame und ganz andere Sache.

Ganz ehrlich: ich habe mich auf dieses kleine Glück der Unabhängigkeit total gefreut! Was wollte ich alles machen, was ich sonst nie machen kann! Kino, Konzerte, Ausstellungen, Bücher, Schlagmichtots – ich hatte Pläne ohne Ende und ich habe mir für diese Woche des Wegseins auch Urlaub genommen. Ich gehöre nämlich auch der Mutterschaft des “Ich putze/arbeite, wenn das Kind schläft/weg ist/wie auch immer” -Vereins an. Ich hatte und habe immer ein schlechtes Gewissen. Wem auch immer gegenüber. Irgend jemand fühlt sich immer benachteiligt und das ist nicht auf die beiden Menschen beschränkt. Hätte ich eine dritte Hand würde ich sie dazu benutzen, mich gemütlich am Sack zu kratzen, weil die anderen beiden Hände sowieso beschäftigt sind. Wenn es denn gemütlich wäre, das zu tun.

Und wie gefiel mir diese Woche? Gar nicht!

Unabhängig davon, dass ich doch zwei Tage in meiner Urlaubswoche arbeiten musste, mich endlich mal wieder störfrei mit meiner Freundin treffen konnte habe ich mich ganz komisch und allein gefühlt. Irgendwie seltsam. Ohne Hände. Ohne Füsse.
Aber seit heute ist alles wieder gut! Der kleine Mensch ist mittags wieder ins Nest geflogen, der grosse Mensch heute nachmittag wieder in die Hamburgsphäre. Und schon gab es Stress und schon gab es Terminplanungen und schon gab es Diskussionen und schon gab es Lachen und schon gab es Gepolter und schon gab es Telefonate und schon gab es drei neue Zählrunters und schon war meine Welt wieder in Disordnung.

Und schon geht es mir wieder gut!

Ich bin pervers.

[Foto: Gisbert Heim / Pixelio]

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Selbstverständlichkeiten

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Man sollte ja meinen, daß es ganz selbstverständlich ist, daß …
Nein, anders:

Ich verstehe nicht, warum Selbstverständliches so …

Nein, auch anders:

Selbstverständlichkeiten wie z.B. …

Hach, verflixt! Immer noch anders:

Wieso muss ich eigentlich wegen einer Selbstverständlichkeit …

Hmmm … fast, aber nur fast. Nochmal anders:

Ich finde es selbstverständlich absolut zum Kotzen, wenn …

Nein, das trifft es auch nicht. Vielleicht so anders:
Kotzen könnte ich, wenn Selbstverständlichkeiten …

Ach, verflixt. Ich weiss jetzt gar nicht, wie ich das sagen soll, obwohl es gar nicht so kompliziert ist. Selbstverständlich nicht!
Aber roten Nagellack, den finde ich selbstverständlich sehr kühl zu schwarzen Pullovern!

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Schlimm, schlimm, schlimm!

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“IHGITTIHGIITIHGITT!” schreit es aus dem Schlafzimmer. Frau Sprotte guckt dort Kinderstunde. Ich rase über den Flur und bin auf das Schlimmste gefasst: Spinnen, Ameisen, gebrochene oder verletzte Körperteile – irgend etwas absolut Fürchterliches eben.
Frau Sprotte sitzt mit angewidertem Gesichtsausdruck auf dem Bett und schüttelt sich heftig.

“Was ist denn los? Was ist passiert? Jetzt sag schon!”

“Oh Gott, Mama, da war gerade Werbung und von Baby Born gibt es jetzt auch einen Jungen, auch mit untenrum – das ist so EKELHAFT!!!!”

Stimmt. Das ist schlimmer als eine Kakerlake in der Nase!

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Santa Pauli in der Lach- und Schiessgesellschaft

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Was ist das denn für ein seltsames Komödienstadl Frau Pauli? Macht man denn so etwas? Klaut man denn einfach ein Ehemodell? Auch noch im eigenen Ländle, wo es sofort herauskommt? Auf die Gefahr hin, daß Gamsbart-Ede Sie zur Strafe in eine Kathedrale wirft?
Ja. Doch. Ich finde, das kann man durchaus machen! Gutes angewandtes Kabarett sollte man immer würdigen!

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Liebe Frau Pauli!

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Ja, ich bin auch für eine Ehe auf Probe! Hätte ich seinerzeit gewusst, als ich meinen Hans-Gerhardt geheiratet habe, wie langweilig und öde das alles wird, liebe Frau Pauli, ich hätte es gelassen!

Ja, es war schon ein toller Moment, als wir uns so tief in die Augen gesehen haben und “Ja” gesagt haben und die Ringe waren auch schön und die Flitterwochen so wahnsinnig romantisch! Mei, ich habe den Hansi echt und wirklich geliebt und verheiratet sein ist ja auch etwas ganz Tolles, weil dann ist man offiziell vergeben und kann ganz prima damit zeigen, daß man etwas wert ist. Dann haben wir uns auch ein Haus gekauft und ganz viele Möbel und Haustiere und hatten immer total viel zu tun. Da kam man eben nicht so zum Nachdenken.
Aber seit einiger Zeit, also seit einigen Jahren, ist mir das echt zu langweilig geworden. Immer der gleiche Hansi, immer die gleichen Möbel, immer die gleiche Wäsche, immer die gleichen Viecher, immer der gleiche Mist!

Das Allerschlimmste war aber, daß kein Mann mich mehr angesehen oder angeflirtet hat. Ich hatte ja das Zeichen am Finger stecken. Das Zeichen, Sie verstehen, Frau Pauli? Ich habe dann überlegt, ob eine Scheidung nicht besser wäre, als immer der gleiche Trott mit immer dem gleichen Hansi, aber das wäre zu teuer geworden. Das Haus und die Tiere. Und was die Familie gesagt hätte! Und irgendwie mag ich den Hansi ja auch. Uns verbindet ja soooo viel, das darf man ja einfach nicht so hinschmeissen! Vor allem würde mir dann sein Gehalt fehlen.

Ich habe dann angefangen, mich einmal in der Woche mit Freundinnen in einer Bar zu treffen. “Ladies Night” haben wir das ganz mondän genannt! Und zu diesen Treffen haben wir dann auch immer unsere Zeichen abgestreift, weil wir wollten dann einfach mal ohne die Belastung fröhlich sein können. Und siehe da, Frau Pauli, am 7. Treffen bin ich dann mal auf die Toilette gegangen und da ist mir ein ganz toller Typ gefolgt, der Günther. Und der Günther hat mir dann gesagt, daß er mich ganz toll findet und ob wir uns nicht einmal alleine treffen könnten und hat mir seine Telefonnummer gegeben. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen dem Hansi gegenüber, aber auf der anderen Seite: ich würde ihm ja nichts wegnehmen, richtig? Schließlich verbindet uns ja … das habe ich schon gesagt, Entschuldigung!
Ich habe mich dann ein paar Tage später mit dem Günther getroffen und wir haben uns richtig toll unterhalten und uns total gut verstanden. Dem Günther ging es genau so wie mir: schon lange verheiratet und irgendwie ist die Luft raus aber die beiden verbindet ja so viel! Ich habe auf einmal ein ganz warmes Gefühl bekommen und gewusst, daß ich beim Günther richtig liege. Der versteht mich wenigstens! Seit diesem Tag treffen der Günther und ich uns regelmässig in einer kleinen lauschigen Pension -unser Liebesnest sagt der Günther immer ganz verschwörerisch- und dem Hansi erzähle ich einfach, daß ich zusätzlichzur Ladies Night jetzt auch einen Volkshochschulkurs im Körbe flechten besuche, der aber ganz lange dauert, weil Körbe flechten so schwierig ist! Hansi findet das klasse, daß ich mich fortbilde und auch neue Menschen kennenlerne! Es ist ihm eben wichtig, daß es mir gut geht und da nimmt er eben das eine oder andere Opfer in Kauf. Und merken, merken tut der Hansi ja sowieso nichts!

Ach, Frau Pauli, hätte es damals die “Ehe auf Probe” schon gegeben, dann müsste ich den Hansi nicht anlügen, dann hätten wir einfach den Vertrag nicht verlängert und der Günther den seinen auch nicht und dann wäre ich heute mit Günther (oder Harald oder Peter) glücklich und zufrieden!

Frau Pauli, sagen Sie mir Bescheid, wenn ich Sie irgendwie unterstützen kann! Ich spreche hier für bestimmt für alle Frauen, die freiwillig in einer Ehe gefangen sind!
Ihre Christiane

P.S.: Sagen Sie mal, wo kann ich denn diese tollen Handschuhe kaufen? So langsam wird das mit dem Günther auch schon wieder etwas flau und letzte Woche habe ich den Fabrizio kennengelernt … Sie verstehen schon!

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Nur mal für mein Verständnis:

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Wenn ein Y-Prominenter ein verurteilter Drogennehmer im Wiederholungsfall ist und man hat ihn selbst dabei gesehen und sagt das jemanden, darf dann ein Anwalt herumlaufen und einem drohen, daß man das nicht sagen darf, weil das gelogen ist, weil der Y-Prominente sagt, daß das nicht stimmt?

Irgend jemand hat mächtige Wahrnehmungsstörungen oder braucht dringend etwas zu tun.

Nachtrag:

Hier sind die Hintergründe zu finden.

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Liebe Mama!

Endlich hat es auch bei mir geklappt, ich bin jetzt auf dem Lanu-Gymnasium in Marzahn! Siehst Du, Mama, aus mir wird doch noch etwas! Bald kann ich Dir einen Schrebergarten pachten!

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Und guck’ mal, Mama, hier ist auch der Beweis! Ein ganz tolles Klassenfoto auf dem ich auch ganz niedlich aussehe. Hat der berühmte Klassenfotofotograf Herr Bulo gemacht, das sagt Dir doch was? Hat er doch toll gemacht, gelle?
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Nun, Mama? Bist Du jetzt richtig stolz auf mich? Ich verspreche auch, daß ich ganz feste lernen werde. Ich schwätze auch nicht mehr so viel und schreibe und lese keine zusammengeknüllten Zettelchen. Ausser natürlich, jemand fragt mich, ob ich mit ihm gehen will! Weil Du hast ja selbst gesagt, ich kriege keinen mehr ab, wenn ich nicht endlich mal freundlich und höflich zu den Jungs bin! Ich verspreche, daß ich das ab sofort auch sein werde, damit Du dann zu uns ziehen kannst, wenn Du alt bist!

So, liebe Mama, ich muß meiner Lehrerin noch schnell einen Apfel und einen Euro schenken, damit meine Noten supi werden und eine neue Haarschleife brauche ich auch!
Bussi von
zoee Einstein

P.S.: Der war lustig, gelle?

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Heldendämmerung

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Und wenn es mit Barbie, Domino, Francie, Skipper, Shelley oder Steffi und Petra nicht klappt, Euch Cinderella, Rapunzel, Dornröschen und Arielle nicht einmal zum Nüsse knacken haben wollen – keine Sorgen, liebe Männer, es gibt immer noch grossartige Alternativen!

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Stehaufkomödiantinnen sind voll lustig!

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“Ja neulich, da sass ich da so in der Bahn und da war dann so eine Oma und die hat sich dann nackig ausgezogen, also sie hat ihr Gebiss herausgenommen und da habe ich ihr gleich eine Banane in den Mund geschoben und noch eine Packung Milch hinterhergeschüttet und zu ihr gesagt: ‘Mix it, Baby’!”

Ha!

Ha!

Ha!

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Vorhin …

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… hat mich mein Auge recht derbe angeschnauzt. Das linke dieses Mal. Ich war schon etwas verwundert, weil ich eigentlich mit diesem Auge sehr selten gucke. Es ist nämlich sehr sensibel. Insofern war ich mir auch nicht wirklich einer Schuld bewusst und habe es aus erziehungstechnischen Gründen herausgenommen und auf die stille Treppe gesetzt. Schliesslich muss ich mir nicht alles gefallen lassen.

Allerdings plagte mich dann mein schlechtes Gewissen, weil der Apfel arg weinte und er sein Auge vermisste. Ich habe meinem Auge (und prophylaktisch dem Apfel) nochmal eindringlich auseinandergesetzt, dass ich Schnauzer nicht dulde und auch nicht dulden werde. Ganz streng habe ich sie beide angeblickt, was ein bisschen schwierig war, wegen der Gelenkigkeit und des Winkels. Aber es hat geklappt. Anschliessend bekamen sie einen Keks und ich setzte das Auge wieder zurück an seinen Platz. Mal gucken, wie lange die Ruhe anhält.

[Bild via

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