Schlüsselerlebnis
Posted by zoee on 14 Mrz 2008 | Tagged as: Aktuelles & News, zoee

Wie bereits erwähnt, sind wir mit dem Büro umgezogen und ich habe schreckliche Höhenangst. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass man auf die “Raucherterrasse” nur dann kommt, wenn man durch die offizielle Büroeingangsglastür geht, im Fahrstuhlflur linksseitig zum Treppenhaus und zur Terrassentür geht. Dann kann man allerdings ganz elegant einmal herum spazieren, falls man das denn möchte. Man kommt aber eben nur durch diese hohle Gasse rein oder auch raus.
Die Büroeingangstür wird auch immer durch einen Schnapper gesichert. Ist jemand alleine, macht man ihn rauf (oder runter, ich kann mir das nicht merken) und die Tür kann nur noch mit dem Schlüssel geöffnet werden. Das schützt vor Überraschungsbesuchern, die einem eine plötzliche Herzattacke verschaffen, wenn man im hintersten Zimmer gerade etwas zu tun hat und nicht mitbekommt, was im Eingangsbereich passiert. Soviel dazu.
Heute nachmittag verlasse ich das Büro in Eile. Ich war mit Sprotte und ihrem Übernachtungsbesuch verabredet, schliesslich eröffnete heute der DOM und das bedeutet immer Freifahrten ohne Ende. Egal, wie das Wetter ist.
Ich fahre mit dem Fahrstuhl nach unten, gehe über den Hinterhof und wühle in meinen Jackentaschen nach Zigaretten. Nichtraucherbüro eben. Dabei stelle ich fest, dass ich den Dreikant für die Mülltonnen noch in meiner Jacke habe. Das ist nicht gut, weil ich nächste Woche frei habe und wir noch genug Müll in den Räumen haben, der entsprechend entsorgt werden muss. Wir versuchen, das immer so unaufällig wie möglich in die entsprechenden Tonnen zu entsorgen, so auch heute. Und wir gehen immer abwechselnd, weil wir Umweltsäue sind. Also laufe ich noch einmal zurück, fahre die sechs Stockwerke hoch, schliesse die Bürotür auf, lasse den Schlüssel aber von aussen stecken, weil ich ja nur den Dreikant kurz in die Küche legen möchte.
In dem Augenblick, in dem die Tür zuschnappt, erinnere ich mich an den Schnapper. Ich bin eingeschlossen!
Aber ist ja alles kein Problem, wenn man gedanklich flexibel und sowieso total spontan ist: man ruft den Hausmeister an, der soll mit dem Aufzug in den sechsten Stock fahren und aufschliessen. Blöd, dass ich die Nummer nicht habe.
Man könnte auch sonstwen aus dem Bürokomplex anrufen, der soll hochfahren und aufschliessen. Blöd, dass ich mich an keinen einzigen Firmennamen erinnern kann, weil mich das bisher nicht interessiert hat. Naja, Vodafone – aber da anrufen?
Man könnte auch einen Schlüsseldienst anrufen. Blöd, dass es mir peinlich wäre, diese Auslage der Buchhaltung zu erklären.
Nach intensivem Denken fiel mir ein: es gibt ja immer, immer, immer einen Plan B: man könnte auch einfach aus dem Fenster klettern und über die Terrasse zum Fahrstuhlflur gehen, somit zur Bürotür gelangen und dann einfach aufsperren, den Schlüssel abziehen und gut ist es. Klasse, oder?
Es gibt aber immer noch einen Plan X: der sechste Stock ist einfach nichts für mich. Aber es half ja nichts. Also kletterte ich aus dem Fenster meines Büros (ostseitig) und hangelte mich ängstlich gefühlte 700 Meter über dem Meeresspiegel auf ungesichertem Boden zum Fahrstuhlflur. Um drei Ecken! Und Ecken sind schlimm!
Es hätte allerdings auch einen Plan Y geben können: ich hätte lediglich das Fenster der Buchhaltung wählen müssen (westseitig), um mich umzubringen. Das ist nämlich keine 2 Meter vom Fahrstuhlflur entfernt,
Ja, ich habe es überlebt. Keine Sorge. Aber sehr knapp. Wozu man fähig ist, wenn es um das Überleben geht, ist wirklich unglaublich! Ich esse ab sofort auch Känguruh-Hoden an Fell!
Das Leben ist zu kurz.
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Foto Claudia Hautumm/via Pixelio]












