
Endlich wieder bei Sonnenschein stöbern, herumbummeln, in Entsetzens- und Entzückensschreie ausbrechen, unnützes Zeug kaufen, noch unnützeres Zeug essen, schlechte Musik hören und sie gut finden und selbst einen Stand machen. Wo man unnützes Zeug verkaufen, unnützes Zeug essen, schlechte Musik hören und sie gut finden kann und auch darf. Flohmarkt ist einfach eine Ausnahmesituation.
Es empfiehlt sich allerdings, immer ein Kind mit dabeizuhaben, das man auf einer Decke neben dem Tapeziertisch putzig-arm positionieren kann. Erfahrungsgemäss hat das Kind nämlich bereits eine halbe Stunde vor der offiziellen Eröffnung (als wenn es so etwas auf Flohmärkten überhaupt gibt) seinen halben Spielrat verkauft. Der Niedlichkeitsfaktor eben. Sobald die Kinderdecke Lücken aufweist, kann man diese mit dem eigenen unnützen Zeug auffüllen, das man selbst nicht verkauft bekommt, weil man eben nicht putzig, arm oder niedlich aussieht.
Darüberhinaus empfiehlt es sich, dem Kind ein paar Tricks mit auf die Decke zu geben: “Der Kaffeewärmer geht nicht unter zweifünfzig weg, hörst du? Wenn jemand handeln möchte, guckst du ganz freundlich und sagst, dass du für deine Klassenreise sparst. Oder deine Einnahmen einem SOS-Kinderdorf spenden möchtest. Oder dem Tierschutzverein. Alles klar?” Alles klar! Das Kind lügt, mit hochoffizieller Muttererlaubnis, wie gedruckt. Ich fühle mich auch nur ein bisschen schlecht und nehme mir vor, 10 % zu spenden. In die Kaffeekasse. Und zwar in meine eigene. Schliesslich stehe ich ja nicht zu meinem Vergnügen stundenlang herum.
Alles läuft wie geplant. Der Kaffeewärmer geht für zweifünfzig weg und auch die hässliche Blechfigur sowie allerlei anderer Kram wie schlechte Filme oder Fips-Asmussen-Kassetten oder Klimperschmuck finden wohlwollende Abnehmer.
Allerdings empfiehlt es sich auch, dem Kind die Regel “für Mama arbeitest Du umsonst, schliesslich ist sie 12 Stunden mit Dir in den Wehen gelegen!” zu erklären. Und zwar, bevor das Kind Geld einnimmt. Sonst kann es einem passieren, dass man bei der Endabrechnung zu hören bekommt: “Nö, von meinem Geld gehört Dir doch nichts! Das lag ja schliesslich alles auf meiner Decke und ich habe die Arbeit damit gehabt!”
Ich weiss nicht, von wem sie das hat.
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