Ist das nicht ironisch?

Das war wohl nichts, oder doch etwas.  Marcel Reich-Ranicki kritisiert den Deutschen Fernsehpreis auf seine ganz eigene Art und Weise, Herr Gottschalk reagiert auf seine ganz eigene Art und Weise und Frau Heidenreich kommentiert auf ihre ganz eigene Art und Weise in der FAZ.
Alles schön und gut. Jeder eben wie er meint.

Herr Gottschalk und Marcel Reich-Ranichki bekommen eine Sondersendung, in der sie beide absondern können, was es an Nichtkultur im deutschen Fernsehen gibt. Auch kein Thema.

Dann kritisiert Frau Heidenreich vor Aufzeichnung und Ausstrahlung der Sendung,  dass die Konstellation dieser Sondersendung, Herr Gottschalk wäre in ihren Augen nicht dafür geeignet.  Sie wird persönlich.

Herr Reich-Ranicki, unterstellt Frau Heidenreich, ebenfalls vor Aufzeichnung und Ausstrahlung der Sendung, dass diese eine intrigante und unverschämte Person wäre. Sie hätte die Laudatio an sich reissen wollen.

Nach Ausstrahlung der Sendung äussert sich Frau Heidenreich noch einmal öffentlich im TV und nimmt Stellung zu der Kritik. Sie hätte keine Angst vor einer Entlassung.

Nach Ausstrahlung der Sendung wird Frau Heidenreich entlassen, weil sie den Sender mitsamt allen Mitarbeitern beleidigt hat. Hätte. Die letzten beiden geplanten Sendungen mit ihr werden nicht mehr produziert.

Herr Reich-Ranichki kommentiert diese Entlassung so,  dass die Sendung von Frau Heidenreich sowieso quasi für den Arsch war, weil Frau Heidenreich sowieso viel zu schnell reden würde.

Frau Heidenreich hält dagegen, dass Bücher, die sie in ihrer Sendung vorgestellt hat, es auf die Bestsellerlisten geschafft hätten.

Herr Gottschalk äussert sich zusammenfassend, dass er die “Heidenreich-Diskussion” nicht weiter kommentieren möchte, weil es doch blöd wäre, darüber auch nur ein einziges Wort zu verlieren, ausser, dass die Heidenreich-Diskussion sowieso morgen Schnee von gestern sein wird. Auf gut fränkisch: morgen wird eine andere Sau durch’s Dorf getrieben.

Damit habe ich wohl alles zusammengefasst, was bis jetzt passiert ist.

Dann fasse ich mal für mich persönlich kurz zusammen: grosser Sandkasten, mit zu wenig Förmchen!

Ein Literaturkritiker und Autor, der von sich selbst sagt, er würde kein TV gucken, sich aber anmasst, über das Fernsehformat zu urteilen, von dem er während der Preisverleihung lediglich einen unrepräsentativen Durchschnitt präsentiert bekommen hat.

Ein Moderator und Autor, der sich anmasst, eine Diskussion über den Verfall der Fernsehsitten mit selbigem Literaturkritiker zu führen, obwohl er nachweislich dem Boulevard/der Unterhaltung anzusiedeln ist.  Was er auch immer jovial mit einem Augenzwinkern zugibt.

Eine Moderatorin und Autorin, die sich anmasst zu wissen, wie sich der Literaturkritiker während der Preisverleihung fühlt-  obwohl sie ihn nicht davor “schützen” konnte und selbst die ganze Zeit präsent war.

… para el culo!

Ich habe über jeden einzelnen der Protagonisten in diesem speziellen Fall meine eigene Meinung: Herr Reich-Ranicki sollte nicht über Dinge sprechen, von denen er angeblich nichts versteht, Herr Gottschalk sollte sich nicht permanent in Dinge einquatschen, nur weil er “live” ist und Frau Heidenreich sollte nicht für andere sprechen, die es ja nachweislich selbst gut genug können.

Einen Diskriminierung sehe ich hier allerdings nicht – Elke Heidenreich hat ihren Arbeitgeber ein “Arschloch” im direktesten  Sinne genannt. Das lässt sich kein Arbeitgebeter bieten und muss er auch nicht.  Marcel Reich-Ranicki hat die Veranstaltung in Frage gestellt – auch eine Beleidigung für den ausrichtenden Sender -  das ist aber eine ganz andere Sache.

Die sollen einfach mal alle zu “Olli” gehen.

Ironisch daran ist nach wie vor, dass die Sendung “Lesen!” – also Kultur im Fernsehen-   mit sofortiger Wirkung abgesetzt wurde. Weil sich jemand darüber beschwert hat, dass es keine Kultur im TV gibt.

Das entbehrt nicht einer gewissen Komik.

11 Comments »

11 Responses to “Ist das nicht ironisch?”

  1. on 27 Okt 2008 at 3:57 AM Aquii

    ich liebe deine Art Dinge einfach darzustellen und natuerlich deine Schinkenbroetchen. gibts diese Woche wieder eins? ;)

    Fernsehen, naja, so eine Sache. Aber gibts dn nicht Sender, die erstmal vorher angegriffen werden sollten? Wenn ich daruber Nachdenke, dann fallen mit mindestens 25 adhoc ein.

  2. on 27 Okt 2008 at 9:53 AM Johanna

    Toll!
    (Und jetzt erklär mir doch bitte nochmal einer die Finanzkrise.)

  3. on 27 Okt 2008 at 12:00 PM bellablog

    mit dem letzten absatz hast du alles gesagt. diskriminierungsfachkräfte gibt es eh schon zu viele.

  4. on 27 Okt 2008 at 2:22 PM Bärliner

    Passend auf den Punkt gebracht.
    Da du ja selber Lesende und Autorin bist, bewirb dich doch in der 2. Reihe der Rundfunkanstalten für die nun offene Stelle der “Lesen”-Moderatorin.
    Ich bin sogar dann bereit, über (m)eine GEZ-Gebührenbefreiung nachzudenken und einen gewissen Obolus an das ZDF zu entrichten.

  5. on 27 Okt 2008 at 7:28 PM Lobo

    Fein !

    Eine hübsche Ergänzung wäre noch das Herr Reich-Ranicki Werbung für T-Home macht(mit einem Bild von der Preisverleihung) die widersprüchlich entstanden ist, für die er aber ein Honorar bekommt.

    Herr Gottschalk in einem Spiegel-Interview zu Heidenreichs Kritik “furienhaftes gekreische” sagt. ;-)

    Frau Heidenreich schon immer sauer auf das ZDF war, wegen dem doofen Sendeplatz.

    Die Bestsellerlisten stürmen die “Lesen” Titel auch schon länger nicht mehr, weil die Titelauswahl für viele zu anspruchsvoll war.

  6. on 27 Okt 2008 at 8:49 PM zoee

    @lobo: lese-empfehlungen aus dem fernsehen sind sowieso für den hintern. das ist ähnlich eklig, wie die musikempfehlungen in den werbepausen bei rtl2.

    das zitat war doch, soweit ich mich erinnere, von herrn karasek? das ist nicht sarkastisch genug, um von thomas gottschalk zu sein.

    frau heidenreich wird in ein paar monaten wieder eine sendung, wenn nicht die gleiche, haben. andrea kiewel wurde ja auch wieder eingestellt. rehabilitiert. weil: man muss ja niemanden auf ewig bestrafen. ich denke: man kann auch geschickter verarschen.

    im übrigen: wer lesen möchte, der liest. mit oder ohne blöden tv-unfug.

  7. on 27 Okt 2008 at 9:44 PM peter

    Ich fand den R-R witzig. Sitzt 4 Stunden dumm rum um den (wirklich dummen) “preis fürs lebenswerk” abzulehen. Was ich nachvollziehen kann – solche preisträger stehen nach der preisverleihung auf der sterbewarteliste und werden totgeschwiegen bis zum abtreten. Und anschliessend steht der Gottsch. vor eine Kamera um seine Betroffenheit reinzuweinen und seine tiefe Freundschaft und Verbundenheit mit dem Toten zu preisen. Dem entgegen zu wirken ist 4 Std warten wert. Aber Deine Pointe ist werter. & qler.

  8. on 28 Okt 2008 at 10:28 AM der grosse transzendentale steini

    Immerhin hat er damals im Fernsehen erst die Bühne bekommen, die ihm die Presse nie geben wollte. Aber egal, die Sendung incl. den Preisträgern war unterirdisch schlecht und man hätte ihn nicht zur Niveauaufstockung einladen sollen.

    Ich habe übrigens gehört, dass Elke Heidenreich durch Eva Hermann ersetzt wird. Die ist rehabilitiert und rezensiert jetzt erstmal “Mein Kampf”. Anspruchsvoll!

  9. on 28 Okt 2008 at 2:16 PM truetigger

    Es war aber alles in allem ganz grosses Kino, MRR und Elke.

    Nur Thommy, hätte man dort einen beliebigen anderen Vollkoffer hingestellt – und sowohl ÖR als auch die Privaten haben mehr als genug davon -, es wär erträglicher gewesen.

  10. on 28 Okt 2008 at 4:19 PM sunny

    gute zusammenfassung. teile ich.

  11. on 30 Okt 2008 at 4:58 PM Katze mit Hut

    Super, und dankeschön; entspricht im Großen und Ganzen meiner Meinung. Mag “Lesen!” aber überhaupt nicht. Dann doch lieber eine gescheite Buchbesprechung auf WDR 5 oder BBC Radio 4, je nachdem, wo ich gerade so bin. Aber ich bin ja auch ein Audiofetischist.

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