Wenn ich 64 bin …
Posted by zoee on 10 Feb 2009 | Tagged as: Seltsamskurriles

Ich habe noch ein paar Minuten Zeit und bevor ich in der Kälte draussen herumstehe beschliesse ich, im Café auf dem Marktplatz kurz etwas zu trinken.
Ich gehe hinein und sofort treffen mich missbilligende Blicke zweier älterer Damen. Und das, obwohl ich noch überhaupt nichts getan habe! Ich setze mich so weit weg von ihnen wie möglich (was gar nicht leicht ist, weil das Café winzig und mit gerade mal 8 Tischchen ausgestattet ist) und hole mein Handy, meine Zigaretten und meine Zeitschrift heraus. Ich gucke hoch. Die Damen starren mich immer noch sehr missbilligend an. Ich gucke an mir herunter: hat mein Pullover einen Fleck? Ist meine Jeans irgendwie anstössig? Meine Zeitschrift eventuell zu pornographisch? Stört meine Haarspange? Nein, ich sehe ganz normal aus. Sie starren immer noch.
Ich bestelle eine Cola und zünde mir eine Zigarette an. Jetzt wird nicht nur missbilligend geguckt, jetzt werden die Augenbrauen auch noch hochgezogen. Ich taufe die Damen für mich Edna und Wally. Edna stupst Wally mit dem Ellenbogen in die Seite und schreit: “Die Frauen von heute sind unmöglich. UNMÖGLICH!”. Wally starrt und nickt. Edna schreit weiter: “Und wie die sich heute anziehen! Unmöglich! UNMÖGLICH!” Sie stupst Wally wieder in die Seite, Wally nickt nun eifriger. Edna holt tief Luft: “Und wie die heute reden! Unmöglich! UNMÖGLICH!” Edna guckt mich so missbilligend an, wie es nur geht und raschelt mit der Zeitung. “Guck’ mal hier!” schreit sie Wally an, während diese automatisch weiternickt. Sie hält Wally die Zeitung unter die Nase, ohne mich aus den Augen zu lassen. “Guck mal hier! Wie die Nutten sehen die heute aus! WIE DIE NUTTEN!”. Wally guckt kurz auf die Titelseite der Zeitung und erschreckt sich einen Herzinfarkt. “Siehst du!” schreit Edna “wie die Nutten! Unmöglich! UNMÖGLICH!” Und starrt mich an, als wenn ich dieses Titelblattobenohnemädchen wäre. Dabei wäre mir das gar nicht mal so unrecht. Anfang 20 und jung und knackig ist ja nicht das schlechteste Los, das einen treffen kann. Wally fängt wieder langsam an zu nicken und zu starren. Sie hat die Herzattacke gottseidank überlebt. “Nach dem Krieg!” schreit Edna “Nach dem Krieg haben wir auch nichts anzuziehen gehabt, aber DAS hätten wir uns NICHT getraut! WIE DIE NUTTEN! Unmöglich! UNMÖGLICH!”
Recht hat sie, die Edna. Die unmöglichen Frauen heutzutage wissen gar nicht, wie gut sie es haben! Da gibt es Kleidung in Hülle und Fülle und alle laufen halbnackt herum!
Ich bin fürchterlich be- und getroffen, schleiche in schuldiger Haltung zum Tresen, um zu bezahlen und spüre, wie mich die Blicke von Edna und Wally in den Rücken dolchen. Mit Recht! Ich werde mir möglichst sofort einen Rollkragensack kaufen.
Ich finde aber auch, dass die ganzen Diskoflusen wie Hafennutten rumrennen. Und jetzt stell dir mal vor, du würdest den ganzen Tag lang nur Bastei-Romane und das Goldene Blatt lesen und ZDF-Fernsehgarten gucken und gehst dann auf die Straße! Reality bites!
Die alten Menschen heutzutage alle so bösartig! Das hätte es früher nicht gegeben!
Welche Farbe??
Grau, beesch oder oliv?
keiner mag alte menschen außer alten menschen.
endlich mal jemand, der es schafft dich zur Ordnung zu rufen, ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben
alt ist noch halbwegs ok. aber mumifiziert, schwerhörig UND bildzeitungslesend ist einfach UNMÖGLICH.
(wieso hast du zigaretten dabei? was ist da los?)
steilvorlage.
Ich finde aber trotzdem gut, dass Du den beiden dann doch noch Gesellschaft geleistet hast.
Du bist doch die rechts Sitzende mit der Brille, oder?
(duck und weg)
Wenn ich groß bin, werde ich auch so wie die alten Damen. Dann habe ich immer alle Cafés für mich =) Das wird super.
also die rangfolge, nach der ich grad eine zivistelle suche lautet kinder-behinderte-drogenabhängige-katholische-kirche- …- …-…-…-alte menschen. obwohl letztens hab ich zwei nette alte menschen in einem cafe gesehen, haben sich noch über einen netten jungen mann gefreut, der bei ihnen am tisch saß mit laptop und so, es geschehen noch wunder.
@medie: was ist eigentlich aus sparkassenmuschi geworden?
ach, da wohn ich nicht mehr. bin jetzt in ner neuen filiale
in meinem nächsten leben möchte ich auch edna heissen!