Lieber Heiner,
Posted by zoee on 11 Mrz 2009 | Tagged as: Offene Briefe

dies ist nun der fünfte Brief, den ich Dir seit unserer Trennung vor drei Tagen schreibe und ich hoffe, dass Du diesen hier endlich beantworten wirst.
Ich habe viel über unsere einwöchige Beziehung nachgedacht und ich glaube, ich verstehe Dein Handeln immer besser.
Dass Du mich z.B. aus Deiner Wohnung geworfen hast, als ich Dir meine Temperaturkurve geben wollte, das kann ich jetzt nachvollziehen. Ich hätte vorher mit Dir einen Termin diesbezüglich vereinbaren sollen. Es war einfach ein sehr ungünstiger Zeitpunkt, um Dich mit meiner Empfängnislyrik zu überraschen. Ausserdem hätte ich ja auch bis nach meinem Lyriktermin warten können, da wollte ich sowieso Deine Grundeinstellung zur Verhütung diskutieren. Es tut mir sehr leid, Heiner, dass ich Dich damit überrumpelt habe. Ich hätte wissen müssen, dass Du mit so einer Situation total überfordert sein musst.
Ich habe das schon gemerkt, als ich Dich gebeten habe mich zu einem Chortermin, der mir total wichtig ist, weil ich auch in einer Beziehung eigene Interessen pflegen möchte und auch muss, zu begleiten. Du hast so getan, als hättest Du etwas anderes vor, aber mir war schon klar, dass Du Angst hattest, als mein Anhängsel zu gelten. Mensch, Heiner! Wieso hast Du denn nichts gesagt? Dann hätten wir darüber diskutieren können, wie wir uns in Zukunft gegenseitig bei so sozialen Terminen vorstellen sollen.
Auch dass Du Dich nach einer Woche von mir getrennt hast, weil ich Dir zu „stressig“ bin, kann ich jetzt verstehen. Du bist es eben nicht gewohnt, mit einer starken und selbstbewussten Frau zu kommunizieren. Das liegt sicherlich an Deiner Mutterbeziehung, von der Du mir noch nichts erzählt hast, aber das liegt natürlich auf der Hand. Der Schlüssel zu allen Missverständnissen ist immer embryonaler Natur! Und es ist natürlich sehr schwer Dinge, die einen schmerzen, auch zu verbalisieren. Vor allem der Person gegenüber, die man doch so liebt. Das macht einen eben verletzlich und ängstlich. Aber, Heiner, darüber kann man doch diskutieren!
Ich verstehe, Heiner, dass Du Angst hast. Grosse Angst! Das mit uns ist so schnell passiert und wurde sofort ganz, ganz nah und vertraulich und zärtlich und so selbstverständlich, dass es schon ganz klar ist, dass man da nicht so mithalten kann, wenn man das noch nie erlebt hat. Vor allem wenn man, wie Du, lieber Heiner, Grundängste gegenüber starken und selbstbewussten Frauen hat.
Aber Heiner, ich weiss, dass Du mich auch liebst! Deine Augen sind der Spiegel Deiner Seele und den kannst Du nicht zuhängen. Nicht vor mir, der Frau, die Dich ebenfalls liebt. Ich sehe doch, wie sich die Farbe Deiner Iris verdunkelt, wenn Du mich ansiehst, Heiner.
Du, gib’ Dir einfach einen Ruck! Man kann Berge nur bezwingen, indem man sie besteigt. Heiner, ich bin jederzeit für Dich da, das weißt Du doch! Komm’ lass uns zusammen zu meinem wöchentlichen Folkloretermin gehen und Deine Ängste wegtanzen! Du wirst sehen, danach bist Du wieder ganz leicht und wir können einander wieder vertrauen und lieben.
Also, Heiner, ich werde nachher mal kurz und ganz spontan bei Dir vorbeigehen und Dir diesen Brief persönlich übergeben, damit Du auch weißt, wie ernst und vorbehaltlos ich es mit unserer Liebe meine. Vielleicht können wir dann auch einen Tee miteinander trinken, Du liest den Brief und wir diskutieren dann ganz entspannt darüber. Ist wirklich kein Problem für mich. Ich verlege einfach meinen Dozentenjob an der Volkshochschule “Wahrnehmungsstörungen – wie erkennen?”. Meine Schüler verstehen das.
Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass Du Dich mir, der Frau die Du liebst, gegenüber endlich öffnen kannst. Aber mach Dir auf keinen Fall Sorgen, Heiner, wenn das nicht sofort funktioniert. Ich liebe Dich und ich kann warten, bis Du soweit bist. Und bis dahin bleibe ich an Deiner Seite, damit Du auch weißt, dass ich immer da bin, wenn Du Dein Verhalten diskutieren möchtest. Natürlich auch jederzeit ohne Termin.
Keine Sorge, mich wirst Du nicht los!
Bis gleich, mein lieber Heiner!
Deine Aggi
Heiner ist eben einer wie keiner.
liebes nesli
temperaturkurve find ich super – ein pms-kalender wäre natülich praktischer – aber immerhin ein Anfang. wenn wir damals dieses pms-ding anstelle den ganzen eierleitern oder zyklussen im sexualkundeunterricht gehabt hätten, wärs zu diesem dummen missverständnis nie gekommen. ich freue mich auf heute abend (bringste bier mit)!
H
Heiner?
Laola, Du bist endlich über Bruce weg!
Vor Dir hätte ich auch Angst.
Die ganze Diskutiererei…
Und dann noch Chor, Folklore und der Psychokram. Schlimm, schlimm, schlimm.
Da kann ja aus dem Kind nichts anständiges werden.
Uff. Ist Heiner 17 und gerade… Nein, ich schreibs nicht.
Könnte doch Missverständnisse geben. Vor allem wenn Aggi Lehrerin ist. Ist sie sicher.
BIn in „unserem” Park. Muss ein paar morsche Bäume verabschieden, bevor sie gefällt werden.
Heiner.
lach!
könnte es sein dass aggi auch noch etwas für esoterik übrig hat?! ich glaube, das würde zu ihr passen.
hihi, ich sollte dir öfter bücher ausleihen!
@johanna: heiner hat aggi verschmäht. das macht keiner ungestraft.
@heini: nesli? ey, du kannst doch aggi keinen kosenamen verpassen!!
@jule: keine sorge, bruce ist unterwegs! er hat zwar gerade ein 30jähriges model am start, aber was ist das schon gegen die reife und das verständnis einer richtigen frau? eben. er muss sich einfach nur noch ein bisschen sein hörnchen abstossen.
@frau vivaldi: aggi ist “freie künstlerin” und “schriftstellerin” und heiner ist knapp 10 jahre älter als sie. die geschichte ist tatsächlich vor ca. 15 jahren so passiert. da war er ca. 50.
@steini: das ist lieb von dir. vergiss’ nicht, einen lappenrock anzuziehen und bergstiefel, damit es dir die bäume glauben.
@brige: nein, das ist das wirklich seltsame daran – esoterisch veranlagt ist sie nicht. also nicht wirklich. sie folgt ganz unbeirrt ihren eigenen wahrnehmungen und die sind einfach richtig. ein irrtum ist von vornhereiin ausgeschlossen, bzw. steht gar nicht zur diskussion. sie analysiert alles bis zum erbrechen und sehr irr-rational. und immer zu ihren gunsten. ein mann küsst sie und möchte danach nichts mehr mit ihr zu tun haben? hallo, das geht gar nicht! er hat gefühle in ihr erzeugt und er muss gefälligst auch welche gehabt haben, denn sonst hätte er sie ja nicht geküsst. und dann muss er sich genau so gefälligst erklären: warum er sie geküsst hat, was er dabei empfunden hat, wann er gefühlt hat, dass er doch nicht mehr wollte und warum er das nicht vorher gespürt hat, warum er ihr im vorfeld nichts gesagt hat, dass er evtl. nichts spüren würde, wegen seiner ex oder seiner mutter und bla bla bla. darauf will sie antworten haben, weil sie keine frau ist, die sich benutzen lässt.
wobei exakt diese frau keine problem damit hat, sich mit verheirateten männern einzulassen. ganz im gegenteil ist sie der meinung, dass man an bestimmten feiertagen, wie weihnachten, mal eine “geliebten-veranstaltung” feiern sollte. die wäre nämlich bestimmt viel lustiger, als das langweilige weihnachten, das die fremdgeh-männer zuhause bei ihren familien feiern.
@bella: ja, das finde ich auch! es war sehr lustig, diese reise in das “ich bin eine frau und ich weiss gar nicht, was ich eigentlich will, aber alice hat’s doch gesagt!” – zeitalter. fazit: wenn man einen märchenprinz sucht, wird man auch keinen finden.
ich bin auch heute mit der schwangeren ex-handschellenpeitsche durch. das ist allerdings nicht ganz so traurig.
Bin ich immer noch zu jung dafür? Deinen Kommentar Zoee, also den letzten mit dem @ an bride verstehe ich vollends. Aber der Text muss in einem Paralleluniversum stattfinden. Bzw. seit meinem Wegzug aus Schöneberg sind solche Gestalten aus meinem Blickfeld verschwunden und das ist Jahre her, echt viele Jahre. Und genau, da fällt mir ein, dass eine Frau, die mal genau ein relativ erfolgreiches Buch rausgebracht hat, aber Ost-Frau, die ich dann auf einer Lesung einer sehr erfolgreichen Autorin getroffen habe, die war unheimlich pragmatisch. Ihr war klar, dass das mit der Schriftstellerkarriere nichts mehr wird und deswegen hat sie umgesattelt auf Handel. Sie war nur auf Lesung, weil die sehr erfolgreiche Autorin sie nämlich mal angerufen hatte, weil sie von deren Buch begeistert war.
Und das stimmte so. Konnte ich alles später im Netz genauso finden.
Also das mit dem Handel u.s.w. .
@sunny: ich glaube, das hat mit dem alter nicht wirklich viel zu tun. damals, in den 80ern, als das buch von aggi veröffentlicht und bekannt wurde habe ich mich schon gefragt, was das alles soll. die eine sache war der emanzipationskampf, die andere sache das buch, das sich dieses lila mäntelchen einfach übergezogen hat und auch unberechtigterweise behalten durfte. jedenfalls von meiner sicht aus.
wenn du mir deine anschrift mailst, schicke ich dir das besagte buch. das ist recht, hm, zeitlos. bis auf den unterschied, dass es den begriff “stalker” damals noch nicht so gab. da nannte man solche menschen einfach nur “verwirrt”.
die autorin ist noch immer der meinung, sie wäre eine. da dieser begriff sehr dehnbar ist, kann man ihn auch einfach so stehenlassen. immerhin hat sie ja ab und an mal veröffentlicht und sich wirklich mühe gegeben, damit ihren lebensunterhalt zu verdienen, ohne jemals zum amt zu laufen oder sich staatliche hilfe zu holen. beides wäre ihr durchaus zugestanden. immerhin war ihr buch ein grosser erfolg, es wurde übersetzt und dann hat sie an dieser tätigkeit konsequent festgehalten. sie hätte sich auch “verkaufen” können, was sie nicht getan hat. die lila welt hätte sich über mehr solcher bücher sicherlich gefreut.
auch wenn ich die frau sehr seltsam finde – das sind dinge, die ich sehr anerkenne und schätze.
hach fein. gerne. soll ich frau kuttner im gegenzug rüberschicken?