Wenn man dringend ein Badelaken kaufen muss, hat man zwei Möglichkeiten:
Man kann direkt vor Karstadt aus dem Bus steigen, weil man da sowieso auf dem Heimweg vorbeikommt, in das Kaufhaus gehen, das Laken kaufen, aus dem Kaufhaus gehen, wieder in den Bus steigen und gemütlich nach Hause fahren. Zeitaufwand: ca. 10 Minuten.
Man kann allerdings auch einfach eine Haltestelle weiterfahren, fluchend aussteigen und sich dann Plan B überlegen, weil man zu faul ist, über die Strasse zu gehen, eine Haltestelle zurückzufahren, um in das Kaufhaus zu gehen, das Badelaken zu kaufen, wieder in den Bus zu steigen und gemütlich nach Hause zu fahren. Zeitaufwand: ca. 20 Minuten.
Man kann sich beispielsweise erst einmal gründlich umsehen, um Plan B überhaupt aktivieren zu können. Dann kann man sich freuen, weil man das Strassenschild “Eppendorfer Weg” entdeckt. Juchhu! Eppendorfer Weg! Der führt nach Eppendorf, von da sind es nur noch 10 Minuten nach Winterhude und auf dem Weg dahin gibt es bestimmt irgendwo einen Laden, der Badelaken führt. Karstadt zum Beispiel. Man kann auch beruhigt vergessen, wie elendig lang dieser Weg ist (immerhin stand ich mitten in Eimsbüttel) und sich frohen Mutes auf den Weg machen. Das Wetter ist ja schön und so ein bisschen Bewegung schadet ja nicht. Man kann sich dann etwas wundern, weil man im Eppendorfer Weg alles mögliche findet: viele viele Strassencafés, viele viele Restaurants mit Tapas, viele viele Galerien, viele viele Stoff-Wolle-Schmuck-Deko-Bio-Läden und viele viele Kinderbekleidungsgeschäfte. Nur keine Badelaken-Geschäfte. Und auch kein Karstadt. Nach ca. 20 Minuten kann man sich ja überlegen, ob man nicht wieder zurückläuft, in den Bus steigt, eine Haltestelle zu Karstadt zurückfährt etc. etc. Macht man aber nicht, weil man ja schon so lange gelaufen ist, dass ja irgendwann logischerweise mal ein Badelaken-Geschäft kommen muss. Oder ein Budni oder ähnliches, z.B. ein Karstadt.
Ah ja, auf der anderen Strassenseite ist endlich ein Penny! Da kann man ja ganz oft auch Nichtessen-Produkte kaufen. Man kann im Penny prima Bandnudeln kaufen, aber leider keine Badelaken.
Dann kann man einfach immer weiter den Eppendorfer Weg entlang laufen und plötzlich überhaupt nicht mehr wissen, wo man eigentlich genau ist. Also läuft man weiter, zurück geht jetzt gar nicht mehr. Mittlerweile ist man ja fast eine Stunde gelaufen, also muss ja irgendwann mal Eppendorf kommen. Obwohl – der Eppendorfer Weg ist wirklich sehr, sehr lang.
Man kann dann plötzlich und unverhofft an der Hoheluftchaussee ankommen. Da kennt man sich aus. Dann kann man in einen € 0,99-Laden gehen, die haben ja auch manchmal so Sachen wie Badelaken. In diesem kann man allerdings prima Haarbänder kaufen, aber leider keine Badelaken.
Dann kann man die Hoheluftchaussee in Richtung U-Bahn laufen und in den nächsten Drogeriemarkt gehen. Da kann man prima Haarfarbe kaufen, aber leider keine Badelaken. Im nächsten Drogeriemarkt kann man prima Katzenfutter kaufen, aber leider keine Badelaken. Langsam aber sicher bin ich genervt. Es ist warm, meine Füsse tun mir weh und ich kann mir langsam echt richtig blöd vorkommen!
Auf der anderen Strassenseite ist ein “1000 Geschenkeladen”, im Angebot: Badeschlappen! Die haben dann bestimmt auch Badelaken! In diesem Laden kann man prima Pfannenwender kaufen, aber leider keine Badelaken.
Ich habe Durst und gehe in den nächsten Supermarkt, um mir eine Flasche Wasser zu holen. Wer weiss, wie lange ich noch unterwegs sein werde. In solchen Supermärkten kann man ein Tchibo-Regal finden. Und in so einem Tchibo-Regal kann man tatsächlich ein prima Badelaken finden und es wird einem sogar widerspruchslos verkauft!
Dann kann man ganz erleichtert zur U-Bahn gehen und zwei Haltestellen nach Hause fahren. Zeitaufwand: ca. 2 Stunden.
Man kann dann darüber nachdenken, dass keine 150 Meter von der Haustüre entfernt ein Tchibo-Shop ist. Oder dass man rechtzeitig aus dem Bus hätte steigen können.
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