Das ist total ungerecht!

vatertag011

Die ersten Vatertags-Karawanen sind schon lautstark Richtung Stadtpark unterwegs, man hört leise Gutelaunegeräusche, dezentes Gelächter, keine Tröten und alle Mitläufer sind dezent sportlich gekleidet und tragen Kartons mit Gesellschaftsspielen unter dem Arm. Das wird sicherlich ein nettes Picknick mit philosophisch-politischen Gesprächen und der einen oder anderen Anekdote aus dem harmonischen Familienleben.

Ich bin neidisch. Schon wieder, ich weiss. Aber Muttertage sind niemals so schön und lustig und bereichernd wie Vatertage!

Man wird morgens um 7 h mit einem Frühstückstablett geweckt, auf dem der Kaffee zu kalt und zu schwach, das Brötchen zu alt und zu fest, das Ei zu hart und zu unpellbar ist und der Butterklecks sich schon davongemacht hat. Der weiss schon warum. Während man dann freudig an das Frühstück macht, stehen alle gespannt am Bett und warten auf eine Reaktion. “Mhhmmm, lecker! Und das habt ihr alles so gemacht, dass ich nichts gemerkt habe?” Alle nicken stolz. Natürlich verschweigt man, dass man bereits seit 6 h senkrecht im Bett steht, weil man bei den Vorbereitungen schon dabei war: “Wo ist denn der Eierkocher?” – “Woher soll  ich das wissen, nimm’ doch einen Topf!”  – “Man kann kein Ei in einem Topf kochen, sonst würde er doch Eiertopf heissen, du Hirni!”  – “Du bist selbst ein Hirni und hast einen Eierkopf, haha!” – “Sag’ mal, wenn die Milch so klumpt, ist die dann noch gut?” – “Keine Ahnung, Rühr einfach ordentlich um, dann merkt sie es nicht!” – “Wieviel Pulver tut man denn in die Kaffeemaschine?” – “Keine Ahnung, nimm’ einfach einen Löffel und dann mach die Milch rein, dann merkt sie es nicht!” – “Das Brötchen ist total hart und braun geworden im Ofen und der raucht auch so komisch!!” – “Dann leg’s auf den Toaster, das macht sie ja mit dem Toastbrot auch zum warmhalten. Dann merkt sie es nicht!” – “Wollen wir noch Rührei machen?” – “Du spinnst doch! Das gibt es an normalen Tagen doch auch nicht. Das merkt sie gar nicht!”

Nachdem man das Frühstück soweit vernichtet hat, dass niemand beleidigt ist, geht es zur Tagesplanung über: “Wir könnten doch etwas machen, was du schon immer mal machen wolltest!” Ja, im Bett bleiben, ein Buch lesen, einen Schnulzenfilm sehen, in Ruhe telefonieren oder einfach gar nichts machen. Und zwar ungestört. Das will man schon immer mal machen. “Wir könnten Minigolf spielen gehen!” – “Oder ins Schimmbad!” – “Oder ins Kino!” – “Oder in den Hansaparkt!” – “Oder Tretbootfahren!” – “Oder zum Bowlen!” Oderoderoderoder. Erwartungsvolle Gesichter strahlen einen an und freuen sich, weil sie der Mutter so eine wahnsinnige Freude machen. Und Himmel, ja! Die Mutter freut sich!  Und dann wird all das gemacht, was sie sowieso schon ständig macht, eben nur nicht an ihrem speziellen und ganz eigenen Mutter-Tag.

Ich bin undankbar. Schon wieder, ich weiss. Aber ich habe auch ein Anrecht auf einen Vatertag. Ich habe einen Vater, die Sprotte hat ebenfalls einen, ich kenne auch viele Väter und bin  im Zuge der Emanzipation sowieso quasi einer.

Und deshalb habe ich mich jetzt unauffällig vatertagsmässig angezogen, mir einen Schnurrbart aufgeklebt, einen kühlen Hut aufgesetzt und ein Mensch-ärgere-dich-nicht unter den Arm geklemmt. Der Picknickkorb ist ganz männlich mit Lachsschnittchen, Blaubeermuffins und Bionade bestückt und ich gehe jetzt auch in den Stadtpark und mache mir einen gemütlichen Tag unter lauter gut aussehenden, intellektuellen und feingeistigen Männern.

Bloss kein Neid!

2 Comments »

2 Responses to “Das ist total ungerecht!”

  1. on 21 Mai 2009 at 12:53 PM st.

    ich hoffe, du hast ausreichend hundekorn dabei!

  2. on 21 Mai 2009 at 3:17 PM duftbaeumchen

    Du hast’s gut. Mir bringt nie jemand Frühstück ans Bett.

    Und zum feingeistigen Philosophennachmittag nimmt mich auch niemand mit.

    Ich muss stattdessen heute ganz ruhig und entspannt zu Hause sitzen bzw. liegen, Computern, Musik hören und in die Glotze glotzen.

    Langweilig.

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