Die Ware Frauensuche

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Es gibt ja sicherlich hehre Gründe, sich bei „Schwiegertochter gesucht“ zu bewerben in der Hoffnung, ein paritätisches Gegenstück zu finden. Die gegenseitigen Ansprüche sind nicht besonders hoch, Geld gibt es und „in Fernsehen“ kommt man dann auch noch, was die Chance auf Glück, falls es mit Holgi-Jensi-Wolfi nicht geklappt hat, doch noch etwas erhöht. Schliesslich ist man dann ja quasi prominent.
Natürlich gibt es darunter auch immer den einen oder anderen Kameraden, der nichts weiter als seinen Ruhm im Kopf hat und an der Ware Frauensuche so gar nicht wirklich interessiert ist, sondern diese Sendung lediglich zur Steigerung seines eigenen Bekanntheitsgrades nutzen möchte. Wieso die bei den Redaktionen immer so durchschlüpfen, verstehe ich nicht. Das kann ja so gar nicht im Sinne so einer seriösen Partnersuchgeschichte in aller Öffentlichkeit sein! Da muss man nachbessern!

Einer gehört aber in keinem Fall dazu: Christian, der Bürgermeister. Dem selbsternannten Bürgermeister Christian kann man zumindest eine Sache nämlich nicht nachsagen: Eitelkeit. Gut, der blondierte Bürzel auf dem Kopf lässt vielleicht etwas ungewöhnlich auf seinem sonst relativ übersichtlichem Kopf anmuten, der Dreistundenbart (solange braucht er nämlich jeden Tag, um ihn entsprechend zu stutzen) sieht auch nur ein bisschen albern aus und dass man ihm die Flatrate in einem Sonnenstudio ansieht ist nicht prollig sondern gepflegt; selbst Ketten von der Rolle trägt man heute so, dass sie eben rollig aussehen. Und als Justizvollzugsbeamter darf man ja auch ruhig etwas greller gekleidet sein, die piefigen Zeiten in den staubigen Stuben sind doch nicht mehr zeitgemäss. Der Amtsschimmel darf gerne wiehern.

Der Bürgermeister hat auch ein ganz tolles Hobby: er ist Karaoke-Sänger und Tierfreund. Und er ist auf total ernster Brautschau. Und das meint er total ernst. So etwas von ernst, deshalb geht er auch tiefsinnig am Flussufer damit schwanger. Darum hat er seine beiden ausgesuchten Frauen, das kleine und sehr zierliche Promotiongirl Patricia und die (was ist die nochmal von Beruf?) grössere und sehr viel robustere Fräulein Nicole sehr hat auf die Proben gestellt.

Angefangen haben die Probiertage mit einem Karaoke-Gig des Bürgermeisters, dem die beiden zukünftigen Schwiegertöchter gerne beiwohnen mussten. Das dürre Promogirl hat voll abgehottet, die robuste Nicole war zurückhaltend. Aber der Christian hat zumindest gezeigt, dass er das Fernsehen für seine Karaoke-Karriere nicht nötig hat. Das Haus wurde auch so gerockt und der Beitrag prima geschnitten.

Dann ist er mit ihnen einen Bikini kaufen gegangen. „Es muss aber ein Zweiteiler sein!“ krähte das Meisterle, während er, ganz Gockel, mit einer Patricia links und einer Nicole rechts am Arm die Sportabteilung eines Kaufhauses mit weit ausladenden Schritten betrat. Und während das Promogirl blöd genug war, ihm das zu glauben (ich habe ihm das, im übrigen, auch sofort geglaubt!) und sich in einem unheissen roten Fummel neckisch vor ihm drehte und wendete und ihre Tattoos im Intimbereich andeutungsweise zeigte, stand Nicole noch unentschlossen in der Umkleidekabine. Im gleichen Augenblick drehte sich der Christian zur Kamera und sagt todernst: „Also ich mag Frauen lieber, die nicht sofort alles zeigen!“ Vorhang auf für Nicole: „Tut mir leid, ich kann das nicht. Ich mag nicht sofort alles zeigen!“ – Gelbe Karte, Promogirl!

Sehr fürsorglich auch der Besuch der Sonnenbank mit den beiden blonden Mädchens. „Die Patricia ist einfach total blass. So eine blasse Frau habe ich noch nie gesehen!“ Dass er dafür seine Flatrate im Sonnenstudio genutzt hat, fand ich besonders grosszügig. Und die beiden Mädchen haben dem Christian auch seinen Wunsch nach Farbe erfüllt und sich brav hingelegt. Er übrigens auch. In kornblumenblauen Latexboxers an tiefgebräunter Blautze. Fazit: „Mensch, Patricia, bei dir sieht man ja gar nichts!“ Ehrliche Worte, aber trotzdem: dunkelgelbe Karte, blasses Mädchen!

Im Schwimmbad zog es Nicole vor, nicht ins Wasser zu gehen, sondern ein Kreuzworträtsel im Café (?) zu lösen, während Chrissie mit Patricia herumplanschte. Was dann passiert ist, weiss ich leider nicht, weil ich da an die Tür musste. Als ich zurückkam ,hatte Christian jedenfalls genug vom Schwimmbad und dem roten Bikini und wollte zurück zur zurückhaltenden Nicole. Wahrscheinlich hat es ihm imponiert, dass sie mit Buchstaben umgehen kann. Er drehte dann auch Patricia demonstrativ den Rücken zu und sprach kein Wort mehr mit ihr. Nur körpersprachlich! Hellrote Karte, Bikinigirl!
Ach ja, aber karikativ ist der Christian auch! Als sie aufbrechen wollten meinte er ganz grossherzig „Die Zeitung lassen wir da, für die Armen!“. Das hat mir echt imponiert! Andere würden das als Zote benutzen.

Dass er, als Tierliebhaber, natürlich auch sehen wollte, wie seine eventuell zukünftige Braut mit seinen beiden Hunden umgehen kann, ist nachvollziehbar und verständlich. Die zierliche Patricia bekam den Riesenköter, die üppige Nicole das Schosshündchen. Und schon zog der Riesenköter „Tequila“ das blasse Promogirl mit sich mit, bis sie die Leine loslassen musste, weil sie sonst mitgeschleift worden wäre. So geht das natürlich nicht! Christian war sehr empört und wandte sich sofort Nicole mit der Minitöle zu und legte seinen Arm um sie. Rote Karte, Hundemädchen!

Unverständlicherweise reichte es Patricia plötzlich. Dass der Christian sie ständig ignorierte und vorführte, fand sie überhaupt nicht gut, vor allem weil die Nicole sowieso eine dumme Kuh ist. Sie stellte ihn zur Rede und zwar auf die denkbar dümmste Art und Weise: „Ich breche hier ab, weil du mich immer ignorierst und vorführst und das finde ich überhaupt nicht gut und die Nicole ist doch sowieso ein stilles Wasser!“ Mann, Patricia, das weiss doch jeder, dass man Männer nicht vor Entscheidungen stellen darf! Da kommen doch sofort die Höhlenmenschenängste hervor und man entscheidet sich für die ruhigere Keule. Die verspricht weniger Ärger. Der Christian machte das aber ganz gut, lehnte sich zurück, schloss die Augen halb, zog männlich an seiner Zigarette, guckte angetrauert in die Ferne und sagte „Naja, es hat halt die Schemie nicht so geklappt! Und du bist so ein lautes Wasser. Aber ist gut, ich helfe dir dann nachher noch!“
Das nun wiederum fand ich total kühl vom Christian. Dass er da so ehrliche Worte geführt hat, auch wenn er die Patricia damit verletzt hat, denn die dachte natürlich, dass der Christian ihr den Abbruch ausreden würde. Weiber!

Ich finde den Christian total authentisch, bescheiden, nicht übertrieben und bewundere, wie er so normalen Frauen eine realitäre Schangse auf eine Beziehung mit ihm gibt. Ich meine, der könnte doch an jedem Finger 20 haben, so prominent wie der ja bereits war und mittlerweile noch zusätzlich geworden ist und -nicht zu vergessen- auch noch werden wird!
Da finde ich es sehr verständlich, dass er eine in sich ruhende, zurückhaltende, nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechende Frau an seiner Seite sucht, die ihm so ein bisschen den Rücken zwischen Job, Solarium-Flatrate, Bart- und Bürzelschnippel und Künstlerisität frei hält!

Die Nicole ist übrigens ein sowas von total stilles, zurückhaltendes und sensibles Frauchen. So ganz ohne Falsch und ohne Spiel. Als Patricia sich nicht von ihr verabschieden wollte, hat sie danach in einem kurzen Statement gelassen an ihrer Zigarette gezogen und ein verächtliches Gesicht gemacht: „Die war doch sowieso die totale Schlampe. Ich meine, so etwas sage ich normalerweise ja in echt überhaupt nicht, total nicht, aber die war echt voll die Schlampe! Kein Wunder, dass sich der Christian für mich entschieden hat!“

Irrtum, liebe Nicole. Hat er nicht und wird er auch nicht. Er hofft auf etwas ganz Anderes. Wetten, dass … ?

14 Comments »

14 Responses to “Die Ware Frauensuche”

  1. on 11 Okt 2009 at 8:08 PM lesof

    kann ich dir sagen, was das passiert ist: bikinigirl no. 2 hat eine chlorallergie und konnte dehalb nicht mitplanschen. hat sie gesagt, echt!

  2. on 11 Okt 2009 at 8:30 PM zoee

    ach so. das entschuldigt natürlich alles und ich nehme meine vermutung der berechnung sofort zurück.

    huhu, lesof, im übrigen! schön, dich mal wieder zu sehen!

  3. on 11 Okt 2009 at 9:04 PM frauvivaldi

    Du, Zoee, ich find das echt toll, wie Du das immer so gut erklärst. Weil ich bin ja auch blond und würd das sonst gar nicht so verstehen können. Also ganz ganz doll danke dafür!

  4. on 11 Okt 2009 at 9:08 PM zoee

    nicht doch, frau vivaldi, ich wollte dem christian nur die stange halten. der wird sonst total verkannt.

  5. on 11 Okt 2009 at 9:23 PM lesof

    tscha, der umzugsstreß halt. und die seit wochen währende selbstumgewöhnung von thüringer rostbratwurst auf fischbrötchen. wobei ich letztens mal wieder beim museumshafen war und mir bei der samba-schlampe da (kennst du? nugis-kate oder so heißt das) eins dieser deliziösen matjesteile geholt und am elbstrand genossen habe. NICE! mit der fähre hingefahren und nach bester kettcar manier “an den landungsbrücken raus” gesummt. herrlich. ach, was freu ich mich, wenn ich DAS endlich bald häufiger bis oft haben kann. HH ist schon verdammt geil!

  6. on 11 Okt 2009 at 10:15 PM duftbaeumchen

    Ich frage mich jedesmal: Wo graben die nur derart skurrile Mitmenschen aus?

  7. on 11 Okt 2009 at 10:57 PM zoee

    @duftbäumchen: was meinst du mit ‘graben’?

    @lesof: wo genau in hamburg bist du denn? die nugis-kate kenne ich nicht. und mit der fähre fahre ich bis nach övelgönne und laufe das bisschen bis zur strandperle, am museumshafen direkt vorbei. matjes hole ich bei bedarf und saison bei uns um die ecke im fischladen und gehe damit entweder an die alster oder in den stadtpark. und ja, hamburg ist toll! ich bin so oft schon in deutschland umgezogen und habe auch viel im ausland gelebt, aber hamburg gefällt mir am besten. hier bleibe ich auch schon seit vielen jahren.

  8. on 12 Okt 2009 at 8:21 AM lesof

    du landest an der fährstation övelgönnne und dann gleich sofort rechts. alte brackige bude, wo man angst hat, man holt sich ne fischvergiftung. drin eine dicke samba-hörende und tanzende und singende frau, die nebenei matjesbrötchen schmiert. großartig!
    und wir landen übrigens nicht direkt in HH. wir arbeiten zwar beide da, ziehen aber in richtung reinbek/ahrensburg. weil: http://lesof.twoday.net/20090915/

  9. on 12 Okt 2009 at 8:33 AM duftbäumchen

    Oder werden die extra für solche Sendungen gezüchtet?

  10. on 12 Okt 2009 at 4:18 PM orangeguru

    Du hast einfach kein Herz für die hart arbeitende Kulturelite des Teutoniums!

    Schäm Dich.

    PS: Frauen sind zur Begattung, Gebärdung und Töpfe ausschleudern da.

  11. on 12 Okt 2009 at 6:07 PM Der Bürgermeister

    Hab mich über deinen Artikel köstlich amüsiert aber bist ja bei einigen nicht bei der Wahrheit geblieben aber sowas nennt man ja künstlerische Freiheit!Ich hoffe wenn du das Ende der Staffel gesehen hast das deine Meinung hier etwas relativierter ist und wenn nicht so what!LG Christian

  12. on 12 Okt 2009 at 6:20 PM zoee

    @lesof: albernes gekichere wegen so ein bisschen stuck und dielen und kacheln und flügeltüren. glaub’ bloss nicht, dass ich neidisch bin! und besuchen werde ich dich auch nicht. und meinen stuck darfst du auch nicht bewundern. auch nicht meine holzböden und schon gleich gar nicht meine quietschenden türen.

    @duftbäumchen: ich glaube wirklich, dass das auswahlverfahren ein sehr strenges ist. ist ja nicht so wie früher bei den talkshows, wo jeder mitmachen durfte, der nichts zu sagen hatte.

    @orangeguru: ich habe sowieso kein herz. das habe ich irgendwann mal im englischen garten verloren. und frauen schleudern keine töpfe aus. die tauschen einfach ihre alten bei kaufhof gegen neue um und bekommen diese dann billiger.

    @herr bürgermeister: sportlich, sportlich! ich habe nur das wiedergegeben, was ich gesehen habe und natürlich fehlen einzelne teile oder zusammenhänge, weil ich auch nicht alles gesehen habe und ich die zusammenfassungen entsprechend interpretiert habe. und ein bisschen freiheitlich war ich auch, ich gebe es zu. aber was ist schon die wahrheit im zeitalter des erteellismus, hm? aber sag’ mal: die niekohle wird’s doch auch nicht, richtig?

  13. on 13 Okt 2009 at 7:40 AM Niekohle

    Der Bürgermeister hatte tatsächlich keine zeit für mich. Der musste sich nach der Staffel alle 5 Minuten selbst googeln, Kann man ja auch verstehen, dass sich so ein schöner Mann nicht mit sich teilen will!

  14. on 13 Okt 2009 at 10:20 AM zoee

    @niekohle: macht ja nichts. du kannst ja dann bei “bauer sucht frau” mitmachen. ich glaube, der blonde hans wäre genau dein typ. der ist auch kein bisschen selbstverliebt und hat eine supi-figur!

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