Eine Frage der Einstellung

alter stein

“Sag’ mal”, fragt die Sprotte, “sag’ mal, würde dich das stören, wenn meine Freunde dich siezen würden?”
Was für eine blöde Frage. Keiner ihrer Freunde siezt mich, wir sind alle total dufte Kumpels auf Augenhöhe und ich bin voll die lustige und kühle Mutter. Ausserdem würde das ja heissen, dass ich in deren Augen total alt bin.
“Wieso fragst du?”
“Naja, ich denke mal, das heisst doch dann, dass du in ihren Augen total alt bist und das würde dich doch bestimmt sehr stören, oder?”
“Erstens mal bin ich nicht alt und zweitens mal würde mich das auch nicht stören. Ausserdem duzen mich all deine Freunde und ich bin erst letztens auf *hüstel*zig geschätzt worden. Alles ist gut.”

Jetzt ist es aber so, dass Sprotte nach den Sommerferien in eine total neue Klasse gekommen ist und ich ihre neuen Freunde noch nicht wirklich gut kenne. Wenn sie Besuch hat, begrüssen wir uns mit “Hallo”, dann verschwinden sie in der Sprottengruft und anschliessend gibt es noch ein “Tschüss” zum Abschied. Ich finde, das ist im Grunde total geduzt. Kein Grund zur Alterssorge.

Heute war Sprotte mit einer ihrer neuen Freundinnen auf dem Hamburger DOM und rief mich auf dem Rückweg an, ob ich sie nicht von der U-Bahn abholen könnte. Klar, warum nicht? Ich musste sowieso noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Ich stehe also zur verabredeten Zeit am Bahnsteig, die beiden steigen aus dem Zug, ich sage “Hallo” zu ihrer pink-schwarz gekleideten Freundin und diese antwortet ebenfalls mit “Hallo”. Alles ist gut. Wir bringen die Freundin noch kurz zum Bus, weil es schon dunkel ist und mir einfach wohler ist, wenn niemand im Dunkeln herumsteht, die beiden albern und kichern herum -Teenies eben- ich blättere in meiner Zeitung herum. Alles ist gut.

Der Bus kommt. “Tschüss!” sage ich, “Tschüss!” sagt die Freundin. “Ein schönes Wochenende noch!”, rufe ich hier hinterher. “Ja, danke Ihnen auch!”, ruft sie mir fröhlich lachend zu.

Ich bin wirklich einen Moment sprachlos und muss auch sehr blöd aus der Wäsche geguckt haben, denn das Kind, das ich unter Schmerzen geboren habe und das mir die Haare vom Kopf frisst, fängt laut an zu lachen. “Hahahahahaha und gerade heute nachmittag haben wir darüber gesprochen! Hahahhahaha, du solltest dich jetzt mal sehen! Hahahahhahaha, blödes Gefühl oder? Hahahhahahahaha, ich hab’s ja gewusst!”

Ich setze die für diese Situation angemessene würdevolle Miene auf und sage: “Deine Freundin ist eben gut erzogen!”. “Hahahaha!” gröhlt es mir entgegen “Etwas Besseres fällt dir jetzt echt nicht ein? Dann habe ich ja doch Recht gehabt! Hahahaha!” Sie ist wirklich besonders entzückend und goldig in diesem Moment. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich sie sehr, sehr, sehr, sehr lieb habe?

Lieber Weihnachtsmann, Sehr geehrter Herr Weihnachtsmann, ich wünsche mir eine Duzfreundin. Alter zwischen 13 und 15. Finanzielle Interessen sind mir völlig egal! Und der Brief von einer gewissen Frau Sprotte ist in Wirklichkeit ein Kettenbrief. Sie wissen sicherlich damit umzugehen?

5 Comments »

5 Responses to “Eine Frage der Einstellung”

  1. on 14 Nov 2009 at 8:35 PM st.

    sie sind nicht alt, lassen sie sich das nicht einreden!

  2. on 14 Nov 2009 at 9:12 PM zoee

    von wem auch, frau st.?

  3. on 15 Nov 2009 at 5:27 PM daR0NN

    Von mir! Verstehen Sie? Ich bin dreißisch. Und Sie ein Jahr älter. Also ‘Sie’. Aus Respekt. Alles klar?

  4. on 18 Nov 2009 at 7:58 PM junkie

    und ich idiot hab Sie immer gesiezt.

  5. on 18 Nov 2009 at 8:05 PM zoee

    @daronn: ich bin nicht 31! hörense mal auf mit die profezierung!

    @junkie: tscha.

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