Archive for the 'Menschen' Category

Die Ware Frauensuche

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Es gibt ja sicherlich hehre Gründe, sich bei „Schwiegertochter gesucht“ zu bewerben in der Hoffnung, ein paritätisches Gegenstück zu finden. Die gegenseitigen Ansprüche sind nicht besonders hoch, Geld gibt es und „in Fernsehen“ kommt man dann auch noch, was die Chance auf Glück, falls es mit Holgi-Jensi-Wolfi nicht geklappt hat, doch noch etwas erhöht. Schliesslich ist man dann ja quasi prominent.
Natürlich gibt es darunter auch immer den einen oder anderen Kameraden, der nichts weiter als seinen Ruhm im Kopf hat und an der Ware Frauensuche so gar nicht wirklich interessiert ist, sondern diese Sendung lediglich zur Steigerung seines eigenen Bekanntheitsgrades nutzen möchte. Wieso die bei den Redaktionen immer so durchschlüpfen, verstehe ich nicht. Das kann ja so gar nicht im Sinne so einer seriösen Partnersuchgeschichte in aller Öffentlichkeit sein! Da muss man nachbessern!

Einer gehört aber in keinem Fall dazu: Christian, der Bürgermeister. Dem selbsternannten Bürgermeister Christian kann man zumindest eine Sache nämlich nicht nachsagen: Eitelkeit. Gut, der blondierte Bürzel auf dem Kopf lässt vielleicht etwas ungewöhnlich auf seinem sonst relativ übersichtlichem Kopf anmuten, der Dreistundenbart (solange braucht er nämlich jeden Tag, um ihn entsprechend zu stutzen) sieht auch nur ein bisschen albern aus und dass man ihm die Flatrate in einem Sonnenstudio ansieht ist nicht prollig sondern gepflegt; selbst Ketten von der Rolle trägt man heute so, dass sie eben rollig aussehen. Und als Justizvollzugsbeamter darf man ja auch ruhig etwas greller gekleidet sein, die piefigen Zeiten in den staubigen Stuben sind doch nicht mehr zeitgemäss. Der Amtsschimmel darf gerne wiehern.

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Liebe Brigitte,

brigitte

mann, da habt Ihr ja eine richtige Kuh gelandet! Als erstes Modemagazin der Welt werdet Ihr also ab 2010 keine dürren Models mehr ablichten sondern “ganz normale” Frauen. Also die ganz normalen Frauen, die seit Jahrzehnten Eure Diät-Bücher und -Beutel kaufen, damit sie irgendwann mal so aussehen, wie die dürren Models, die Ihr seit Jahrzehnten abbildet und dafür teuer bezahlt. Diese ganz normalen Frauen, die sich trotz Bücher und Diäten trotzdem nicht die Tweed-Hot-Pants über die blickdicht bestrumpfhosten Hüften spannen können, denen keine Häkelbikinis stehen und die in einem Lederbolero aussehen wie eine Litfaßsäule ohne Säule.

Mit Photoshop habt Ihr auch schon Models runder gemacht, habe ich gelesen, weil sie zu dünn waren. Respekt. Man hätte zwar auch gleich mit einem Model für Übergrössen arbeiten können (also Grösse 38), aber wenn man schon einen Computer hat, kann man ihn ja auch benutzen, stimmt schon.
Und damit alles ganz normal bleibt, muss man ja auch im Gesicht nichts mehr retuschieren, kein Doppelkinn, keine Pickel, keine Falten. Und mit Sicherheit werden die abfotografierten ganz normalen Frauen auch deutlich über dem Durchschnittsalter der momentanen Dürren liegen. Wer braucht schon 18jährige schlanke Models, wenn man dafür auch 40jähriges Moppels haben kann? Sogar für einen Bruchteil des Preises?

Ich finde das ganz, ganz dufte von Euch, liebe Brigitte und freue mich schon auf die neue Serien, die mit Sicherheit zeitnah geschaltet werden, weil das ja auch ganz normal ist: “Sahnetörtchen für alle Tage – bereuen war gestern!” – “Kernseife tut es auch” – “Wer braucht schon einen Spiegel?” – “Total normal – jeder kann ein Model sein!”

Hach, wenn Ihr es nicht heute bereits getan hättet, würde ich mir jetzt glatt selbst die Augen auswischen. Herzlichen Dank dafür!

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Trancen über die Welt

Festhalten!

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Plitsch Platsch

wasserwacht

Erster Veranstaltungstag früh am Morgen. Die Dienstleister treffen ein, um sich ihre Funkgeräte abzuholen. Die ersten sind die Jungs von der Wasserwacht und ganz vorne tänzelt der Schnösel, der mir bereits letztes Jahr unangenehm aufgefallen ist. Relativ gross, gerade noch sichtbares blondes Haar, Anfang 40, selbstgefällig und kein bisschen lustig.

“Nahaa”, näselt er, “gibt’s ‘nen Kaffee, dann nenne ich dich auch nicht ‘Muddi’, hahahaha!”
Ich bin verblüfft. Es geht also doch noch blöder.
“Du kannst mich nennen, wie du willst und den Kaffee kannst du dir selbst holen!”
Das macht er auch und setzt sich dann breitbeinig zu mir.
“Nahaa!” näselt und schlürft es neben mir “Erinnerste dich noch an den Entfesslungskünstler mit dem Hubschrauber vom letzten Jahr? Der war doch total schau, nicht?”
“Ja, in den habe ich mich auch spontanverliebt, so schau war der.”
“Hahaha und wie überstehst du es, dass er dieses Jahr nicht dabei ist? Bläst du, hahahaha, Trübsal, hahaha?”
Überraschung – es geht immer noch blöder!
“Dann verliebe ich mich eben in dich, das macht ja keinen grossen Unterschied.”
Er wird plötzlich ernst, setzt sich gerade hin und sieht mir tief in die Augen.
“Du, nicht böse sein” lächelt er mitfühlend, “aber du bist doppelt so alt wie mein normales Beuteschema!”

Nein, er ist nicht ertrunken. Leider.
—-
Foto R. Dziech, Celle

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Du hungriger Hugo, du!

hungriger hugo

Aber natürlich habe ich bemerkt, wie Du mich bemerkt hast, auch wenn ich gerade mit meinem Freund ganz glücklich war. Es war mir auch kein bisschen unangenehm, dass Du mich die ganze Zeit so angestarrt hast, Du Unverschämling, hihi! Gut, dass mein Freund, mit dem ich so glücklich bin, nichts gemerkt hat, der hätte Dich bestimmt ganz dolle verhauen!

Ich finde Dich ja auch echt niedlich, Hugo, vor allem weil ich auf Männer stehe, die den Frauen total deutlich zeigen, wo in der Höhle das Mammut hängt! Ach, ich stehe sowieso total auf Männer, die auf mich stehen, und wenn die auch noch auf meinen Freund stehen, mit dem ich total glücklich bin, dann ist das fast so erotisch wie eine Dauerwelle!

Du, Hugo, das mit den zwei lauschigen Tagen im Oktober finde ich ein bisschen langfristig und langweilig. Was hältst Du von vier heissen Tagen im August? Da haben mein Freund, mit dem ich total glücklich bin, und ich noch Resturlaub und da können wir bestimmt richtig einen drauf machen. Oder drunter!

Hugo, ich sag’ mal: Du bist!

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Abgeschobene Kindersonnen

sonne

Meine Kollegin und ich sitzen auf der Büroterrasse mit Kaffee und Zigaretten, gehen ein paar Pläne durch und blinzeln ab und zu in die Sonne, die sich hinter typisch Hambuger Schwülwolken verbirgt. Aber sie ist immerhin da, das muss reichen. Es ist alles sehr entspannt, obwohl es bereits relativ spät am Arbeitstag ist. Sehr, sehr entspannt sogar. Und genau das ist sehr, sehr irritierend.
Kein hektischer Blick auf die Uhr “Ich muss gleich los”, kein “Kannst Du für mich ans Telefon gehen!” kein “Mensch, das muss heute noch raus, geht das bei Dir noch?” und vor allem kein hektisches Zusammensuchen von nicht erledigter Unterlagen, die man dann “kurz von zu Hause aus” erledigt. Was niemals kurz ist. Und selten komplett erledigt werden kann. Und am nächsten Tag geht der gleiche Sermon von vorne los.

“Sag’ mal,” fragt mich die Kollegin, “wo ist eigentlich die Sprotte?”
“Aldiana. Türkei. Mit Papa.” antworte ich kurz und blinzele in die Sonne.
“Hmm, da ist es sicher schön!”
“Ganz sicher ist es das!” hmme ich zurück. “Und der Legokönig? Wo ist der?”
“Robinson. Österreich. Mit Papa” kommt es ebenso kurz zurück.
“Hmm, da ist es sicher schön!”
“Ganz sicher ist es das!” hmmt sie zurück und blinzelt in die Sonne.

Wir grinsen uns an, ziehen die Schuhe aus und lehnen uns zurück. Und plötzlich fühlen wir uns ebenfalls wie im Urlaub. Terrasse. Eimsbüttel. Ohne Papas.

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Ich weiss, was wir gestern Abend getan haben!

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Wer noch?

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Bodo jovial

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Mitten am Bürovormittag gehen mir die Zigaretten aus. Das ist nicht weiter schlimm, genau vor der Tür ist eine Tankstelle. Ich laufe also schnell über den Platz, möchte an einem Auto an einer Zapfsäule vorbei, plötzlich geht die Beifahrertür auf. Ich kann gerade noch bremsen. Aus dem Auto steigt ein älterer Mann aus, breit wie hoch, graumeliert, Brille, Schnauzer. Er lacht und sagt “Oh, das sollte jetzt keine Einladung sein, hier einzusteigen!”
Ich finde das kein bisschen lustig, denn er hat mich ja kommen sehen. “Ich wäre auch nicht eingestiegen, vielen Dank!”
“Hahaha, schlagfertig, hahaha, das gefällt mir! Na? Wieso denn so schnell zu Fuß unterwegs? Kein Auto?”
“Nö. Keinen Führerschein und keine Zeit.”
“Hahaha, dann gucken Sie doch mal hier!” Er zeigt mit einer galanten Handbewegung auf seinen Wagen. “Fahrschule” steht da auf dem Dach. “Sie können sich gerne sofort bei mir anmelden, hahahaha!”
“Nö. Danke.”
“Aber ein Führerschein ist doch so praktisch und den braucht man doch für so viele Sachen, hahahahaha!”
“Nein, in meinem Alter mache ich den bestimmt nicht noch und ich brauche ihn auch nicht. Ich komme auch so überall da hin, wo ich hin will!”
“In Ihrem Alter? Kommen Sie, Sie sind doch noch ein junges Mädchen, hahahahaha!”
Aha. Haha. Sehr charmant. Damit ist die Unterhaltung für mich beendet und ich gehe wortlos in den Einkaufsbereich. Der HahahaMann folgt mir. “Sagen Sie mal, wissen Sie, wo der Haferweg ist?”
“Nein, weiss ich leider nicht. Tut mir leid. Aber fragen Sie mal am Tresen. Die haben bestimmt einen Stadtplan.”
Das tut er auch und ich muss warten, weil natürlich wieder nur ein Verkäufer da ist. Ich kann es mir aber doch nicht verkneifen: “So ein Führerschein nützt aber auch echt nichts, wenn man nicht einmal den Weg kennt!”
Der HahahaMann lacht sich fast tot.
Dann weiss er, wo der Haferweg ist und ich habe meine Zigaretten und will wieder zurück.
“Wissen Sie was?” ruft er mir hinterher. Höflichkeitshalber bleibe ich stehen und drehe mich um. “Hier haben Sie meine Karte, rufen Sie mich doch an, wenn Sie Ihre Meinung wegen des Führerscheins doch noch ändern, oder …” kleine Kunstpause “einfach mal so!” und zwinkert mir neckisch-weisstbescheid zu.
Ich gucke auf die Karte und antworte: “Alles klar Bodo, ich melde mich bei Interesse bei Dir, kein Thema!”
Bodo zwinkert mir wieder neckisch zu, kommt näher und raunt mir zu:
“Es passiert ja nicht oft, dass man Menschen trifft, die einem gleich spontan so gut gefallen!”. Er lächelt sexy und gönnt mir noch ein Zwinkerchen.

Stimmt, Bodo. Genau so ist es.

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Förderunterricht

Gespräche zwischen Eltern nehmen manchmal wirklich seltsame Ausmaße an.

“Also wir schicken F. nächstes Jahr für sechs Wochen nach Brasilien!” – “Wieso das denn?” – “Naja, sie ist ja nicht so gut in Englisch, dann kann sie sich da verbessern!”
Ich schweige verblüfft, weil ich den Zusammenhang nicht wirklich verstehe, allerdings auch nicht als total blöd dastehen möchte. Wer weiss, vielleicht gibt es ja in Brasilien irgendwo ein total kompetentes Nachhilfesommerlager für deutsche Mädchen, die kein Englisch können und ich weiss es bloss nicht? Wieso man das Lager allerdings erst in einem Jahr dort aufschlagen möchte, kann ich noch weniger nachvollziehen.

“Und? Habt ihr auch schon etwas für die Sprotte geplant?” werde ich gefragt. Hm. Ja, haben wir in der Tat. Solange die Streberin weiterhin als schlechteste Note eine 2- nach Hause bringt, soll sie in den Ferien genau das machen, wozu diese gedacht sind: Ferien! Aber ich will ja nicht angeben, also sage ich mit leicht bekümmerter Miene: “Tja, in Mathe hat sie so das eine oder andere Problemchen. Wir dachten uns, wir schicken sie übernächstes Jahr einfach mal nach England in ein “Malen-nach-Zahlen”-Camp!”

Danach wurde das Gespräch sehr abrupt beendet. Verstehe ich nicht.

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Tach, Ernie!

bff

Ich verstehe Dich einfach nicht! Seit Jahren gehen wir gemeinsam durch dick und dünn, vertrauen uns gegenseitig unsere Sorgen und Nöte an und teilen natürlich auch die schönen Dinge miteinander. Naja, ich teile mehr als Du, weil mir einfach viel schönere Sachen passieren als Dir. Aber ich habe das immer, immer gerne gemacht!

Wie war das denn zum Beispiel damals, als ich umgezogen bin, hm? Erinnerst Du Dich noch? Genau: Du durftest den Transporter aussuchen, ihn fahren und auch noch ein paar Freunde zum Kartonschleppen einladen! Ich habe Dich an dieser tollen Erfahrung eines neuen Lebensabschnittes teilhaben lassen und hatte dann sowieso die meiste Arbeit, weil ich Euch je ein Brötchen geschmiert habe, obwohl ich Euch die ganze Zeit erklären musste, wo die Kartons und Möbel hin sollen!

Und damals, als ich den Stress mit dem Gerti und dem Philipp und dann auch mit dem Jan hatte! Habe ich Dich da nicht jeden Abend angerufen und stundenlang mit Dir darüber gesprochen? Habe ich Dich da nicht auch an meinem Leben teilhaben lassen, sogar an einem ganz privaten Teil davon? Siehst Du, Ernie, ich war immer für Dich da!

Auch als wir den Urlaub damals nach Griechenland geplant haben. Wir haben uns so darauf gefreut, endlich mal zwei Wochen Ladoltschefarniente zu machen, mal so völlig aus dem Alltag gelöst. Und habe ich den Urlaub nicht dadurch bereichert, dass ich den Knufti eingeladen habe, mitzukommen? Nur für den Fall, dass Du auch mal etwas alleine machen möchtest und dann kein schlechtes Gewissen haben musstest, dass Du mich alleine lässt. Und Dein Auto ist ja gross genug.

Das alles, Ernie, das alles habe ich für Dich getan, nur für Dich! Das hätte ich niemals für einen anderen getan! Und jetzt kommst Du mir mit so einem Müll von wegen Du hättest Dir auf Dauer mehr versprochen und auch mehr Zärtlichkeiten hättest Du erwartet und überhaupt. Mann, Ernie! Wir haben so oft miteinander gekuschelt, wenn ich Kummer hatte und Du durftest mir sogar über den Kopf streicheln! An Sex mit Dir habe ich nie gedacht, Ernie, denn das hätte unsere Freundschaft kaputt gemacht und das wollte ich nicht, weil Du mir viel zu wichtig gewesen bist, als mein bester Freund. Du bist mir einfach viel zu wertvoll für ein paar Nächte animalischen und schmutzigen Sex gewesen. Das was wir hatten, Ernie, das war viel, viel bedeutender! Schade, dass Du das nicht so siehst.

Und genau deshalb macht mich Dein doofer Spruch von wegen “ich möchte den Kontakt zu Dir abbrechen, weil ich mich total ausgenutzt fühle” nicht nur traurig, sondern auch total wütend! Und deshalb tut es mir leid Dir sagen zu müssen, Ernie, dass ich den Kontakt zu Dir abbreche, weil ich echt so unglaublich von Deiner Undankbarkeit enttäuscht bin. Das habe ich nicht verdient! Nicht nach allem, was ich für Dich, für uns, getan habe!

Das wollte ich Dir einfach mal gesagt haben.

Viele Grüsse

Lindi

P.S.: Am Wochenende wollte ich das Schlafzimmer streichen. Dabei hätten wir wieder viel Spass haben können, aber dann wirst Du wohl darauf verzichten müssen. Selbst schuld, Ernie, kann ich dazu nur sagen, selbst schuld!


Danke für diesen Link!

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